Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

544 6. Kriegsereignisse ꝛc. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
Kirchen und geistlichen Güter wurde das Jahr 1624 als Normaljahr
angenommen.
In Bezug auf das Nassauische Haus wurde im vierten Artikel des
abgeschlossenen Friedensvertrages bestimmt: „Den Herren Graffen zu
Nassau-Saarbrücken sollen eingeräumt werden alle ihre Graff- und Herr—
schaften, Gebiethe, geistliche und weltliche Lehen und eigenthümliche Güter,
benamentlich die ganze Graffschaften Sarbrück und Sarwerth sammt allem
Anspruch. Ingleichen die Vestung Homburg, mit Geschütz und Mobilien
so daselbst befindlich“ Ungeachtet dieser Bestimmungen kounte Nassau
noch nicht so bald in den gänzlichen Besitz aller zugestandenen Lande ge—
langen. Namentlich weigerte sich Lothringen, welches auf Veranlassung
Frankreichs nicht in den Frieden von Münster mit aufgenommen war
und den Krieg gegen Fraukreich mit einigem Glück fortsetzte, lange Zeit
hartnäckig den Besitz von Homburg und Sarwerden aufzugeben, sodaß sich
die Regentin Anna Amalia auf Saarbrücken, Ottweiler und Ulsingen be—
schränkt sah. Sie starb 18. November 1651. Ihr ältester Sohn, Jo—
hann Ludwig, übernahm die Regierung des Landes und die Vormundschaft
über seine Brüder bis zu deren Volljährigkeit, worauf sie im Jahre 1659
die väterlichen Lande teilten. Johann Ludwig wählte Ottweiler und
Homburg, — Gustav Adolph erhielt Saarbrücken und Saarwerden, —
Walrad, der jüngste Bruder, erhielt Usingen.
Bevor wir nun zur Schilderung der nächstfolgenden Ereignisse über—
gehen, müssen wir einen Blick auf Frankreich werfen, von wo aus jetzt
durch ein ganzes Jahrhundert die Geschicke der Völker Europas bestimmt
werden. Dort hatte im Jahre 1643 Ludwig XIV., welcher 72 Jahre
bis 1715 über Frankreich regierte, den Thron bestiegen. Erustlich be—
müht, um seine eigene Person, wie um sein Land Schimmer und Glanz
zu verbreiten, war er im übrigen ein eigenmächtiger Alleinherrscher, dessen
Wille allein entscheiden sollte. Die höchsten Staatsämter wurden eine
ganze Zeitlang nicht besetzt, die Stände des Volkes wurden nicht mehr
berufen, um über die Geschicke des Landes mitzuberaten und zu beschließen.
Er war demnach der mächtigste Fürst in Europa: kein Land war so ein—
heitlich organisiert, national so geschlossen wie Frankreich. Dem gegen—
über hatte Deutschland durch den westfälischen Friedensschluß eine bunte
Karte erhalten, da er den sämtlichen deutschen Fürsten die längstgeübten
Landeshoheitsrechte gesetzmäßig zusprach. Wenn nun schon Ludwigs Vor—
fahren sich den aus den Religionsstreitigkeiten herrühreuden Zwiespalt in
Deutschland zunutze gemacht hatten, sich in deutsche Verhältnisse einzumischen,
um immerfort Stücke unseres Vaterlandes an sich zu reißen, so sehen wir
ihn kein Mittel scheuen, selbst nicht das ungerechteste, seine Eroberungs- oder
Ländersucht zu befriedigen. Selbstverständlich waren seine lüsternen Augen
gleichfalls auf die deutschen und spanischen Grenzlande gerichtet, wovon
er ein Stück nach dem andern an sich zu reißen wußte. Einige kleine
Unterbrechungen abgerechnet, lag er fast durch seine ganze Regierungszeit
mit Spanien und Deutschland in beständigem Kriege, dessen Verwüstungen
besonders die hiesigen Grenzlande hart trafen. Von 1618 bis 1714 also
in beinahe hundert Jahren gab es nur ganz kleine Perioden, in denen
unsere Gegenden ganz von Krieg verschont waren; es waren nur die Jahre
1660 bis 1666 und 1699, 1700.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.