542 6. Kriegsereignisse ec. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
Er übertrug dem Oberamtmann Philipp Georg von Piesport die Ver—
waltung des Landes, verließ Saarbrücken am 15. Sept. 1635 in Be—
gleitung seiner Familie und begab sich nach Metz, mo Pfalzgraf Johann II.
von Zweibrücken und dessen Sohn Friedrich schon früher einen Zufluchts—
ort gesucht hatten. Auch die Brüder unseres Grafen waren, der eine, Ernst
Kasimir von Weilburg, nach Metz, der andere, Graf Johann von Idstein,
nach Straßburg geflüchtet. Der kaiserliche Fiskus ließ gegen die Gebrü—
der von Nassau-Saarbrück wegen „Widersetzlichkeit und beleidigter Ma—
jestät“ beim Reichskammergericht einen Prozeß einleiten, in dessen Folge
int Jahre 1637 ein Urteil erging, wodurch die EGrafenbrüder ihrer Länder
verlustig erklärt wurden. Kaiser Ferdinand III. schenkte hierauf die Saar—
brückschen Läuder diesseits des Rheins dem Herzog Karl 1V. von Lothrin—
gen, der sie, sobald ihm die Umstände günstig waren, in Besitz nahm.
Während dieser Begebenheiten mußte Wilhesm Ludwig in sehr kum—
mervollen und beschränkten Verhältnissen seine Zeit in Metz zubringen. Er
starb in jener Stadt am 22. August 1640.
Unsere Gegend war seit den Gallasischen Einfällen den Schrecknissen
eines mit aller Varbarei geführten verwüstenden Krieges preisgegeben.
Die Pest welche schon seit 1626 ausgebrochen war, erreichte in den Jah—
ren 1635 bis 1040 ihre höchste Stufe und raffte den größten Teil der
Einwohner dahin. Was den Seuchen entging und dem Schwerte entraun,
erlag dem Hungertode oder suchte sein Leben durch die Flucht in andere
Gegenden zu retten. Bald war das Land eine Einöde und von mauchen
Ortschaften waren nur noch Trümmer übrig. Alle Berichte stimmen über—
ein in den Klagen über die schrecklichen Wunden, die dieser Krieg unserm
Vaterlande schlug. Die protestantischen Geschichtsschreiber machen dafür gern
die kaiserlichen Truppen und ihre Heeresleitung verantwortlich, während
von katholischer Seite Greuelscenen erzählt werden, durch welche sich die
Hecre der Verbündeten, besonders die Schweden, schändlich auszeichneten.
Besonders berüchtigt war der Schwedentrank, wodurch man den unglück—
lichen Bewohnern das Geständnis abpreßte, wo sie Geld und Kostbarkeiten
verborgen hatten. Die besonderen Schicksale, wie überhaupt alle Kriegs—
ereignisse, unter denen die Abtei Wadgassen direkt zu leiden hatte, haben
wir oben bei der Geschichte der Äbte bereits erzählt, und können dieselben
hier zum Vergleiche herangezogen werden.
Ueber die Dörfer in der Grafschaft Saarbrücken gibt Klicker den 6.
Dezember 1635 einen ausführlichen Bericht, aus welchem wir (nach A.
Köllner J. 279) nur folgende kurze Notizen entheben. Malstatt, teils ver—
brannt, teils abgebrochen, noch 5 Unterthanen am Leben. In Gersweiler
leben noch 3. Naßweiler auf dem Boden weggebranut. In der ganzen
Völklinger Meyerei oder Hof, nur noch 9. LCöllerthaler und Heusweiler
Hof beinahe ausgestorben. In Quierscheider Hof noch 3. Sulzbach ab—
gebrannt und leben noch 2. In Dudweiler nur 4. Fechingen 2. Bisch—
misheim mehrenteils ausgestorben. Arnual ruinirt und leben noch 4.
In dem Städtlein Ottweiler, sagt derselbe unterm 7. Dezember,
sind nicht mehr als 10 gesunde und 7 kranke Bürger, die übrigen, nebst
einem großen Teile der Unterthanen vom Land, an der Pest und andern
inficierenden Krankheiten verstorben, auch kein einziger Bürger Brot, noch
das geringste an Früchten in Vorrat hat. Die Dorfschaften zu diesem