Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

586 6. Kriegsereignisse ꝛc. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
Graf Wilhelm Ludwig. 1627-1640.
Nach Graf Ludwigs Ableben übernahm Wilhelm Ludwig die Vor—
mundschaft über seine jüngeren Brüder und führte die Regiernng bis zu
ihrer Großjährigkeit fort. Zwei Jahre später nahmen die Brüder die
Teilung ihrer Läuder vor. In dem zu Ottweiler 26.--229. Januar 1629
errichteten Teiluugsvertrag wurden dem Grafen Wilkhelm Ludwig Saar—
brücken nebst der Vogtei Herbitzheim, Ottweiler, ein Teil von Homburg,
das Amt Jugenheim und Usingen zugewiesen; die übrigen Brüder Jo—
hannes, Ernst Casimir und Otto, welche sich wie unser Graf gleichfalls
von „Nassau-Saarbrück“ nannten, erhielten vorzugsweise die rechtsrheini—
schen Lande.
Wilhelm Ludwig hatte gegen die Mitte des dreißigjährigen Krieges
unter trüben und immer bedenklicher werdeuden Aussichten die Regierung
in Saarbrücken angetreten. Wir werden nicht umhin können, aus diesem
Kriege, der sich durch die Geschichte aller Länder Deutschlauds wie ein
blutiger Streif durchzieht, wenigstens diejenigen Ereignisse zu schildern, die
sich in unserer Gegend zutrugen.
Von Böhmen aus, wo am 8. November 1620 bei Prag der pro—
testantische Böhmenkönig Friedrich V. von der Pfalz besiegt wurde, ver—
legte sich der Kriegsschauplatz nach der Pfalz, welche der Kaiser eroberte
und gegen die von den protestantischen Fürsten versuchte Wiederoberung
behauptete. Nach Auflösung der evangelischen Union, von Tilly und
Wallenstein unterworfen und in die Enge getrieben, wandten sich die
protestautischen Fürsten an den Schwedenkönig Gustav Adolf und be—
warben sich um seinen Beistand.
Schon während der Kämpfe in der Pfalz hatten spanische Kriegs—
mannschaften, sowie die Truppen von Ernst von Mansfeld und Christian
von Vraunschweig den Westrich und die oberen Saargegenden nuter großen
Verwüstungen durchzogen. Besonders war das Saarwerdensche ein Werbe—
und Tummelplatz, von wo österreichische Truppen häufige Streifzüge ins
Saarbrück'sche Gebiet machten.
Zu Anfang des Jahres 1621 war Spinola mit 24000 Spaniern
aus den Niederlanden und Tilly mit österreichischen Truppen herauge—
zogen und hatten die Länder des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz
berwüstend überfallen, wobei auch die Gebiete seines Verwandten des
Pfalzgrafen Johann II., Herzog von Zweibrücken, nicht verschont blieben.
Graf Ludwig von Saarbrücken, der sich in keine Verbindung mit dem
Kurfürsten eingelassen, durfte vorderhand hoffen, nicht feindlich behandelt
zu werden, indessen konnte sein Territorium von Durchzügen nicht gänzlich
verschont bleiben. Graf Ludwig hatte eine Garnison nach Saarbrücken ge—
legt, welche bei den Bürgern in Quartier lag und von denselben durch
Geldbeiträge unterstützt wurde. Schon im August 1622 herrschten bös—
artige Krankheiten, und im Herbst trat eine große Teuerung ein. „In der
Stadt Saarbrücken wird 1623 ein Lazarett angelegt und eine Anleihe
von 1000 Reichsthaler aufgenommen, um die Städte zur Notdurft mit
Früchten versehen zu können. 1624 wird von Saarbrücken auf das Land
eine Landrettungsstener gelegt, wozu bezahlen:
            
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