Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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Graf Ludwig. 1602-1627.

Unter dem Schutze des Friedens, der sich in seiner Zeit über unser
deutsches Vaterland verbreitete, hat dieser Graf sehr viel für die Wohl—
fahrt seines Landes gethan. Leider konnten diese Werke doch nur den—
brotestantischen Unterthanen zugute kommen, da er den Katholicismus
uiterdrückte und im Geiste seiner beiden Vorfahren, Philipp und Albrecht,
die Reformation immer mehr zu verbreiten suchte. Es genügte ihm
iicht, die von den Grafen Philipp und Albrecht gegebenen Kirchen—
rdnungen aufrecht zu erhalten und strenge befolgen zu lassen; er ergänzte
dieselben noch durch die erweiterte Kirchenorduung vom Jahre 1618,
welche vollständige Vorschriften über die innere und äußere Kirchenver—
waltung enthält. Der Landesverwaltung wurde durch die Kammerord—
ung von 1606 und die Kanzlei-Ordnung von 1608 eine bessere Einrich—
tung gegeben. Gleich zu Anfang seiner Regierung in Saarbrücken (1602)
lietßz er die von Philipp III. daselbst eingerichtete lateinische Schule ver—
bessern; da dieselbe trotzdem berechtigen Anforderungen nicht entsprach,
so gründete er 1604 ein Gymuasium in Saarbrücken.
Unter Graf Ludwigs Regierung entstanden verschiedene neue Dörfer,
stamentlich im Warudt, woselbst 1604 Ludweiler (Ludwigs-Weiler) und
1606 Naßweiler (Nassau-Weiler) gegründet wurden. Ludweiler verdankt
sein Entstehen einigen aus Lothringen vertriebenen Reformierten, denen
Ludwig einen Ansiedeluugsplatz an der Riegefurt im Warndt schenkte,
ihnen den Bau einer Kirche gestattete und Abgabefreiheit auf sechs Jahre
;rteilte.

Im Jahre 1623 verabredete Graf Ludwig (in Übereinstimmung mit
dem Kurfürsten zu Trier) mit dem Herzog Heinrich II. von Lothringen
zum Vorteil des Handels die Schiffbarmachung der Saar von Herbitz—
heim bis Saarbrücken. Beide Teile machten sich verbindlich, jeder auf
seine Kosten, die seichten Stellen der Saar durch Ausgrabung gehörig zu
vertiefen, das Strombett einzuengen und so den Fluß für größere Schiffe
fahrbar zu macheu—
Auf Bauten und Anlagen von Gärten ꝛc. verwendete Ludwig nicht
weniger als 93000 Gulden. Den Aufang machte er im Jahre 1602
mit der Aufführuug des Gymnasiums und der Herstellung des Hospitals
zu Saarbrücken; zugleich auch wurde das alte Schloß zu Saarbrücken
teilweise abgetragen und in den Jahren 1692 bis 1617 neu aufgebaut
und durch verschiedene Rebengebände vergrößert. Die sogenannte Schloß—
fkirche in Saarbrücken ließ er 1622—1623 erweitern und herstellen.
Gegen sein Lebensende brach der 30jährige Krieg aus, dessen Anfang
und traurige Wirkungen er zwar erfuhr, dessen schreckliche Verwüstungen
er jedoch nicht erleben sollte, da ihn der Tod denselben entzog. Er starb
am 8. RNoveniber 1627.
            
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