534 6. Kriegsereignisse ec. in Anlehnung an die Geschichte der Zaarbrücker Grafen.
er beabsichtigte, sich mit der Gräfin Agnes von Mansfeld, Kanonissin des
Stiftes Girresheim, zu vermählen Dabei gedachte er sich doch als Kur—
fürst zu behaupten, weil er auf die Unterstützung der protestantischen Fürsten
rechnete, welche übrigens seinen Übertritt zur neuen Lehre zum Aulaß
nahmen, ihm bei der Eiuführung der Reformation im Erzstifte Köln Geld
und Mannschaft zur Verfügung zu stellen, um so dem Protestantismus ein
neues Feld zu erobern. Zur Beförderung seines Zweckes hatte sich Gebhard
au den Grafen Albrecht gewandt, der mit der Gräfin von Mansfeld ver—
wandt war, indem er ihn bat, mit den evangelischen Reichsständen in ver—
trauliche Unterhandlungen zu treten, um gemeinschaftlich die hierzu not—
wendigen Maßnahmen zu ergreifen. Graf Albrecht begab sich persönlich
zu dem Kurfürsten Gebhard nach Bonn und bewarb sich dann für ihn bei
verschiedenen Rheinfürsten. Gebhard hatte unterdessen auch Freunde ge—
funden und kam jetzt mit einer Kriegsmannschaft nach Bonn. „Am 4.
November 1582 (erzählt Andreä) begab er sich unversehens mit 100 Pfer—
den und 150 Schützen nach dieser Stadt, begehrte vom Magistrat die
Thorschlüssel und besetzte auf erhaltene abschlägige Antwort, während der—
selbe auf dem Markte seine Wachen aufstellte, Mauern und Thore mit
seinen Kriegsknechten. Den 21. Dezember ward durch Unterhandlung
Pfalzgraf Johannis von Zweibrück und Graf Adolphi von Nuenar ver—
glichen, daß der Erzbischof die Stadtschlüssel von Bonn und die Tag—
und Nachtwachen haben sollte. Um diese Zeit hat auch Erzbischof Gebhard
zu Bonn seine Hochzeit gehalten.“ Am 189. Dezember 1582 trat Gebhard
öffentlich zur lutherischen Religion über. Darauf schrieben die katholischen
Domkapitularen einen Landtag nach Köln aus, um das Vorhaben Geb—
hards zu hintertreiben. Sowohl die Stadt Köln als auch die Stände
des Erzstiftes sprachen sich gegen Gebhard aus. Papst Gregor XIII.
erklärte ihn (22. März 1583) seiner Würden verlustig, für einen Ketzer
und öffentlich Erkommunizierten. Auch die nordischen Fürsten verließen ihn.
Hierauf wählte das Domkapitel in Köln den Bifchof von Lüttich, Herzog
Ernst von Baiern, zum Erzbischof, der sich mit Hilfe von bairischem und
spanischem Kriegsvolk im Erzstifte festsetzte und Bonn zur Übergabe auf—
forderte. Köln wurde im August 1588 von dem Grafen Johann Casimir
von der Pfalz vergeblich belagert. Der neue Erzbischof hatte die west—
fälische Ritterschaft auf seine Seite gebracht und begann jetzt die Belage—
rung der Stadt Bonn. Bald öffnete ihm die Besatzung die Thore; auch
alle übrigen Plätze, welche noch in der Gewalt Gebhards waren, wurden
zur Unterwerfung genötigt, wodurch die versuchte Reformation in der
dortigen Gegend gänzlich scheiterte. Graf Albrecht hatte sich im ganzen
Verlaufe dieser Angelegenheit sehr thätig für den Erzbischof Gebhard ge—
zeigt und viele Reisen zur Beförderung seiner Absichten unternommen und
im Vereine mit dem Pfalzgrafen dem Erzbischofe eine Summe von 12000
Gulden vorgeschossen. Außer dieser Summe hatte Graf Albrecht noch weit
über 2000 Gulden in den Angelegenheiten Gebhards verwendet, nicht zu
gedenken der vielen Reisekosten, Mühe und Gefahr, die mit diesem Unter—
nehmen verbunden war.
Albrecht starb am 11. November 1593 im Schlosse zu Ottweiler.
Ihm folgte iun der Regentschaft sein Sohn Ludwig, dem 1602 auch die
Grafschaft Saarbrücken zufiel, sowie bis 1605 auch die Weilburgischen Lande