528 6. Kriegsereignisse ꝛe. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
lichsten der von ihm veranstalteten Aulagen ist der Wasserleitung nach
Saarbrücken zu gedenken, da sie wirklich noch fortbesteht. Den beiden
Städten erwies er sich wohlwollend durch die Gestattung des freien Zuges
und Erlassung des dritten Pfennigs. Auch der Armen und Notleidenden
vergaß er nicht; im Vereine mit seiner Gemahlin stiftete er im Jahre
1550 eine Anstalt, in welcher alte und bedürftige Personen aus der
Grafschaft Saarbrücken wöchentlich zweimal mit Speise und Trank gelabt
wurden. Sie schenkten eine Summe von 2200 Gulden, welche zu be—
sagtem Zwecke auf ewige Zeiten verwendet werden sollte.
Von dem Abt Leonhard Pfaltz und dem Conbent zu Wadgassen er—
warb er durch Tausch die Dörfer Lummerscheid, Wahlscheid, Höchen und
den Hof Weppersweiler, indem er der Abtei die Hälfte des Dorfes Bous
dagegen abtrat, dessen andere Hälfte schon seit dem Jahre 1489 im Besitze
der Abtei war.
Das Stift St. Arnual brachte Graf Philipp gänzlich unter seine
Oberherrschaft, indem er die Chorherren auf ihr Grundeigentum und die
davon abhängenden übrigen Rechte und Einkünfte beschränkte. Es ist merk—
würdig genug, daß trotz Widerspruch und Untersuchung Graf Philipp doch
schließlich im Besitze der angemaßten Oberherrlichkeit verblieb. Seit 1552
litt er an einer gefährlichen Augenkrankheit, welche 1554 zu völliger
Erblindung und am 19. Juli desfselben Jahres zu seinem Tode führte.
Da er ohne Rachkommen starb, so ging die Regierung auf seinen Bruder
Johann, den Grafen von Ottweiler über.
Graf Johann IV. 1554 -1574.
(Graf zu Ottweiler 1544 1554.)
Johann, der zweite Sohn des Grafen Johann Ludwig, hatte bei der
väterlichen Erbteilung 1544 die Herrschaft Ottweiler und Homburg erhal—
ten und erscheint demnach als erster Graf zu Ottweiler. Nach dem Ab—
leben seines älteren Bruders, Philipp, erhielt er Saarbrücken, wodurch er
in die Reihe dieser Grafen eintritt. Durch den Tod seines jüngeren Bru—
ders, Adolph, fielen dessen Besitzungen ebenfalls an Graf Johaunn zurück,
der nun das väterliche Erbe ungeteilt besaß.
Bereits in seinem zwanzigsten Jahre war er auf Befehl seines Vaters
an deun kaiserlichen Hof nach Brüssel gegangen, wohin damals beinahe die
meisten Fürsten Europas ihre Söhne hinsandten, um sich unter Karl V.
dem größten Helden seiner Zeit, in den Kriegswissenschaften auszubilden.
Die ersten Nachrichten von seinen Feldzügen fallen in das Jahr 1544,
in welchem Kaiser Karl in Verbindung mit König Heinrich VIII. von
England, seinen dritten Krieg gegen Franz J. von Frankreich unternommen
hatte. Zu diesem Kriege uahm Karl den Weg über Saarbrücken. Am
16. Inni des Jahres 1544 hielt er seinen Einzug in Metz und ver—
weilte 20 Tage daselbst, um zum letzten Male die Rechte eines römisch—
deutschen Kaisers in dieser freien Reichsstadt auszuüben. Von da eilte
Karl nach Luxemburg, darauf nach der Champagne und unternahm sogar
Streifzüge nach Paris, worauf 1544 der Friede zustande kam, welcher
die Rückgabe der Eroberuugen und den Abzug der Feinde zur Folge
hatte. Inzwischen spielten sich im Innern von Deutschland die Glaubens—