Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Graf Philipp II. 1544- 1554

327

In dieser Periode fanden auch im Amte Ottweiler und im obern
Köllerthale verschiedene Bauernbewegungen statt, in deren Verlauf durch
die Besatzung der Feste Montclair, welche zur Stillung der Unruhen her⸗
beigeeilt war, gegen 20 Törfer eiugeäschert wurden, von denen manche
spurlos verschwunden sind. Dasselbe Schicksal fand auch der lothringische
Pfarrort Eßwilr oder Eschweiler, welcher 13566 im Bauernkriege zerstört
wüurde. Auch in Saarbrücken zeigte sich eine vorübergehende Bewegung
unter der Buͤrgerschaft, die wohl keine Bauern waren. Sie machten eine
Eingabe, worin sie sich über die Entziehung früher geuossener Freiheiten
beschwerten und verschiedene Berechtigungen forderten. Der Erfolg dieser
Eingabe ist unbekannt geblieben. Dagegen hatten die in unserer Nähe
liegenden Klöster, Kirchen und Stiftungen Fraulautern, Wadgassen, St.
Avold, St. Arnual und Neumünster nichts gelitten. Es scheint daher,
daß in diesen kleinen Herrschaften die Leibeigenschaft schon sehr gemildert
oder doch die Unterthanenderhältnisse so geordnet waren, daß die Banern
keinen Gruud fanden, sich rebellisch zu zeigen. Das Kloster Herbitzheim
hatte jedoch so gelitten, daß die Abtissin das Fortbestehen desseben nicht
mehr für möglich hielt und darum die Abtei mit allen Zugehörigkeiten
dem Grafen Johann Ludwig im Jahre 1544 abtrat. Das Schicksal der
Bauern aber war nach der endlichen Beruhigung noch härter als zuvor.
Die alten Lasten wurden durch neue vermehrt, sie wurden zum Schaden—
ersatze angehalten und genötigt, die zerstörten Kirchen und Burgen auf ihre
Kosten wieder aufzubauen.
Johann Ludwig zeichnete sich während seines ganzen Lebens durch
einen befondern kirchlichen Sinn aus; er machte sogar eine Reise nach dem
heiligen Grabe. Streuge hielt er an deu Vorschriften und Gebräuchen der
Kirche und hielt anch seine Unterthanen an, die Predigten nicht zu ver—
fäumen. Er hatte beinahe alle seine Töchter dent Klosterstande gewidmet
und mit der benachbarten Geistlichkeit freundschaftliche Verhältnisse unter—
halten. Einen seiner jüngsten Söhne widmete er ebeufalls der Kirche.
Das Beispiel seines Vetters Philipp von Weilburg, der schon 1526 die
ewangelische Lehre angenommen hatte, kounte ihu in seinen Ansichten nicht
wankeud machen.
Im Jahre 1544 übertrug er seinem ältesten Sohne die Regierung.
Aber dieser sollte das Land nicht allein erben; aus gleicher Liebe gegen
seine übrigen Söhne teilte er 1544 seine Grafschaften unter dieselben, in—
dem er sich nur ein Viertel aller Einkünfte vorbehielt. Er starb 18. Juni
1545 und wurde in der Stiftskirche zu St. Arnual uneben das Grabmal
seiner Eltern beerdigt.

Graf Philipp II. 1544- 1554.

Bei der Teilung im Jahre 1544 hatte Graf Philipp die Saar—
brücksche Landschaft erhalten uud seine Residenz in Saarbrücken genommen.
In der kurzen Zeit seiner Landesverwaltung erwarb sich Graf Philipp
zurch nützliche Unternehmungen, Anstalten und Verordnungen ein bleibendes
Verdienst. Im Jahre 1547 unternahm er den Bau der Brücke, welche
die beiden Städte Saarbrücken und St. Johann vereinigt, (alte Brücke)
und ließ denselben innerhalb zwei Jahren vollenden. Als eine der nütz⸗
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.