5260 6. Kriegsereignisse ꝛc. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
Eine Abteilung von 4000 Bauern war über die Gebirge herüber—
gedrungen und hatte sich in einem Walde bei Saargemünd gelagert, zu
denen sich eine Anzahl Landleute aus der Grafschaft Saarbrücken, Zwei—
brücken und Bitsch, die im Glauben wankend und den Irrlehren Luthers
geneigt waren, gesellten; doch zog sich der größte Teil derselben wieder
in seine Heimat zurück. Dagegen hatten sich im lothringischen Amte Dieuse
viele Einwohner rebellisch gezeigt. Zu gleicher Zeit ging ein Trupp von
400 Männern aus demselben Amte nach Saargemünd ab, um sich mit
den dort Gelagerten zu vereinigen, die sich hierauf gegen Herbitzheim
waundten und in dem dortigen Kloster verschanzten. Bei dem Herannahen
der Gefahr hatte sich der Adel von ganz Lothringen beeilt, die Waffen
gegen die Empörer zu ergreifen. Herzog Anton von Lothringen, der sich
bei Vic aufgestellt hatte, aber sich nicht stark geuug glaubte, der Bande,
die man auf 30 bis 40000 Maun angab, zu widerstehen, verlangte Bei—
stand von Frankreich und schickte Eilboten zu gleichem Zwecke an die be—
nachbarten Fürsten und Grafen. Viele derselben waren indessen außer
Stande, Hilfe zu bringen, weil sie Unrnhen in ihren eigenen Ländern zu
befürchten hatten. Dagegen hatten sich bei dem Herzog eingefunden: der
Herzog von Guise mit den französichen Hilfstruppen, Graf Johann Lud—
wig von Saarbrücken, Philipp von Tann, Jacob von Oberkirchen, Wolf
von Hohenfels und Graf Reinhard von Bitsch; auch Trier und Luxemburg
schickte seine Mannschaften zur Verstärkung des lothringischen Heeres her—
bei. Ehe man jedoch die Ufer der Saar erreichte, waren die Bauern von
dort aufgebrochen, um sich mit der Hauptbande im Elsaß zu vereinigen,
Das Heer rückte daher nach Saarburg an der oberen Saar vor, wo man
erfuhr, daß sich „der helle Haufen“ schon der Stadt Zabern bemächtigt
habe. Am 15, Mai 1525 langte der Herzog vor Zabern an und ließ
die Stadt zur Übergabe auffordern. Tags darauf befehligte er seine Brü—
der gegen das zwei Wegestunden von Zabern liegende Dorf Lupstein vor—
zurücken, vor dem sich ein Haufen kürzlich angekommener Bauern verschanzt
hatte. Die beiden Heerführer stürzten sich mit ihren Truppen mit solchem
Ungestüm auf die Feinde, daß diese nach blutiger Niederlage in das Dorf
Lupstein zurückflohen, wo sie aus den Häusern und der Rirche einen hart—
näckigen Widerstand leisteten. Endlich setzten die Lothringer das Dorf in
Flammen, welche bald die Kirche ergriffen, in der alle dahin Geflüchteten
lebendig verbrannten. Die Zahl der Gebliebenen wird auf 5 bis 6000
angegeben, ohne die Einwohner des Dorfes, die in ihren Hänsern umkamen.
Dadurch entmutigt wollte sich die Besatzung von Zabern ergeben. Man
gestattete ihnen den Abzug mit der Weisung, daß sich jeder sogleich unter
Zurücklassung der Waffen nach seiner Heimat begeben sollte. Mit dem Ab—
zug der Bauern begannen die Lothringer den Einzug, um die Stadt in
Besitz zu nehmen. Hier erhob sich nun durch Neckereien der Lothringer
ein kleiner Streit, welcher diesen Anlaß gab, über die wehrlosen Leute her—
zufallen und ein furchtbares Gemetzel anzurichten. Von Entsetzen ergrif—
fen, flohen die Bauern nach Zabern zurück — aber zu spät; die Lands—
knechte drangen mit in die Stadt ein, ihnen folgte ein großer Teil der
übrigen ausländischen Truppen, welcher mit solcher Wut mordeten, daß
das Blut in den Straßen floß. Man zählt, daß in Lupstein und Zabern
28 bis 80000 dieser Unglücklichen umgekommen sind.