VGraf Johann Ludwig. 1472 - 1545 (1490 - 1545). 525
das zum Beistand angerufene Lothringen und Luxemburg versagte ihm die
Hilfe, nur die Städte seines Erzstiftes gewährten ihm einige Unterstützung.
Von St. Wendel wandte sich Sickingen nach dem triecrischen Schlosse Grim—
burg zwischen Wadern und Hermeskeil, das er ohne Mühe erhielt, da sich
die geringe Besatzung bei seiner Annähernng zurückgezogen hatte. Sofort
rückte er gegen Saarburg, vermweilte aber nicht bei der Belagerung, son—
dern eilte, nachdem die Saarbrücke bei Konz durch Verrat in seine Hände
gefallen war, seinem Hauptzwecke, der Eroberung der Stadt Trier ent—
gegen, durch deren Besitz er sich das ganze Land zu unterwerfen gedachte.
Am 8. September 1522 laugte er vor der Stadt an, schlug sein Lager
dei Olewig auf und begaun die Belagerung mit vieler Thätigkeit, faud
aber so anhaltenden Widerstand, daß er seinen Zweck nicht erreichen komite.
Als Sickingen hörte, daß die Verbündeten Richards, der Churfürst Ludwig
bon der Pfalz und der Landgraf Philipp von Hessen im Anrücken be—
griffen seien, faud er sich veranlaßt, die Belagerung aufzuheben. Er zog
sich der Mosel entlaung und dann über den Hunsrück nach Ebernburg
zurück, mit dem Vorhaben, den Feldzug unter günstigern Umständen wie—
der zu beginnen.
Die verbündeten Fürsten von Trier, Pfalz und Hessen beschlossen,
den Friedensstörer nach Gebühr zu strafen, zumal er abermals der Reichs—
acht verfallen war. Den Angriff verschoben sie bis zum nächsten Frühjahr.
Sie griffen Sickingens Feste Ebernburg an und beschossen seine Burg Land—
stuhl, wo er sich aufhielt. Das treffliche Geschütz der Verbündeten streckte
bald die dicken Mauern des Schlosses nieder. Von einem herabfallenden
Balken wurde Sickingen schwer verwundet, mußte das Schloß übergeben
und starb bald darauf. Der Reihe nach wurden auch alle andern Schlösser
Sickingens und seiner GGehilfen genommen und meeistens geschleift.
Nach der Niederlage Sickingens brach im Innern von Dentschland
der unter dem Namen „Bauernkriege“ bekannte Aufstaud der Landleute
gegen den Adel und die Klöfter in hellen Flammen aus, der sich bald
auch über unsere Gegenden verbreitete. Die meist noch fortbestehende
Leibeigeuschaft der Bauern, die willkürliche Ausuützung der unbegrenzten
Froupflicht der Unterthanen seitens der Herrschaften, sowie die hunderterlei
Abgaben, welche diese Herrschaften von den Bauern erhoben, waren drückende
Lerhältnisse, unter denen der Bauernstand im Mittelalter seufzte, und es
war keine Zeit geeigneter, den Banern die Härte ihrer Lage mehr zum
Bewußtsein zu bringen, als die Zeit der Reformation, da sie von dem
Adel lernen konnten, auf Grund der gepredigten evangelischen oder Geistes—
freiheit auch die politische Unabhängigkeit zu erstreben. Die Empörmig
richtete sich gegen jegliche Art von Herrschaften, gegen den Adel und die
Geistlichkeit. Der Aufstand der Bauern begann in Frauken, verbreitete
sich über Schwaben und den Ober-Rhein, und überall bezeichnete sich der
Zug dieser rohen Massen durch Mord und Brand, Einäscherung der Kirchen
und Klöster, Mißhandlung der Geistlichen, Zerstörung der Ritterburgen
und unmenschlicher Behandlung der Adeligen. Die Ereignisse, welche sich
in Folge dieses Aufstaudes in unserer Gegend, in Lothringen und Elsaß
abspielten, erzählt Köllner nach dem lothringischen Geschichtsschreiber Calmet
in ausführlicher Weise, wovon wir kurz folgendes mitteilen: