Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

520 6. Kriegsereignisse ꝛc. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.

erging es auch dem Grafen Jacob von Montelair a. d. Saar, der sich
von Balduin losgesagt hatte und Gewaltthätigkeiten verübte. Die Burg
wurde zerstört und gegenüber die Feste Saarstein aufgeführt. Gegen das
Ende der Regierung Balduins (130741354) kamen schwere Zeiten für
das Erzstift. Es stellte sich Mißwachs, Teuerung und eine furchtbare
Seuche ein, die man den schwarzen Tod nanute. Am Rhein und an der
Mosel erlag ihr fast die Hälfte der Menschen; in Trier allein starben
13000. Man beschuldigte die Juden, daß sie durch Vergiftung der Brunnen
das Ubel verursacht hätten, plünderte ihre Häuser und marterte und tötete
sie selbst. Das war die große Judenschlacht. Die Geißelbrüder, welche
schareuweise mit Kreuz und Fahnen das Land durchzogen und sich, um
den Zorn des Himmels zu versöhnen, blutig geißelten, daneben aber gott—
lose Frevel begingen, erhöhten noch das Unheil. In dieser Not, die alle
Bande der Zucht löste, half Balduin, so viel er koönnte. Er trat den
Judenhetzen mit Ernst und scharfen Strafen entgegen, und es kam eine
bessere Zeit, da das vom Papste angeordnete trostvolle Jubeljahr 1350
auch reich an Getreide und Wein war.

Gräfin Johanna. 13815 1385.

Als am 20. September 1371 ihr Gemahl, Graf Johann von Nassau,
starb, da übernahm sie zunächst die Verwaltung der Nassau-Weilburgischen
Länder. Nach dem Ableben ihres Vaters, des Grafen Johann II., im Jahre
1381, gelangte sie zur Regierung der Grafschaft Sarbrück und Commerey.
Im Jahre 1385 überließ sie die Regierung isrem Sohn und Nachfolger,
dem Grafen Philipp, der Sarbrücken zu seiner Residenz wählte. Sie starb
vor dem Jahre 1391. Graf Johann von Nassau war im Jahre 1366
von Kaiser Karl IV. in den Stand der gefürsteten Grafen erhoben worden,
welcher Titel auch auf die Nachfolger überging.

Philipp J. 13851429.

Ausgezeichnet durch Tapferkeit und kriegerischen Mut wurde Philipp J.
in manche Streitigkeiten und Kriege verwickelt, wozu die Zeitverhältnisse
und die Lage seines Landes in der Nähe von Lothringen vielfache Ge—
legenheit darboten. In Lothringen folgten sich wie die Ringe einer Kette
die Fehden aufeinander, welche sich bald um Metz, bald um Nanzig und
Verdun abspielten. Einmal ließ der Herzog Karl von Lothringen durch
seine Truppen auch unsere Gegend plündern und verwüsten um sich an
dem gegen ihn Verbündeten Grafen Philipp zu rächen. Die Unsicherheit
des Landes war durch das Raubwesen in dieser Zeit aufs Höchste gestiegen,
besonders während der Regierung des deutschen Kaisers Wenzel (137821400).
Im Jahre 1386 hatte Graf Philipp an dem Bündnisse teilgenommen,
welches Pfalzgraf Ruprecht J., der Herzog Johann von Lothringen, die
Grafen von Sponheim, Leiningen, Zweibrücken, Bitsch und Veldenz zur
Beschirmung der Handelsstraßen von Oppenheim bis gegen Metz, und von
Limbach an der Blies bis gegen Scheugen an der Mosel, abgeschlossen
hatten. Ungefähr umn dieselbe Zeit hatte er sich auch dem großen Fürsten—
bunde angeschlossen, der unlängst in Deutschland gegen den Bund der
            
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