180 E. Das Nloster Wadgassen im Dienste der Menschheit.
Klostergebäude, das vor den Schreckensmännern der Revolution Gnade
gefunden hatte. Dieses Hans mit seinen zahlreichen, weiten und hohen
Räumen konnte schon größeren Ausprüchen gerecht werden und es legt
Zeugnis dafür ab, daß das Kloster in der Armen- und Krankenpflege zu
Wadgassen sein Möglichstes gethan hat. Allein das diesbezügliche Wir—
kungsgebiet des Klosters war doch ein viel größeres.
Die Geschichte der Pfarrei Merzig (siehe S. 437 ff.) führte uns schon
darauf, daß das dortige St. Elisabeth-Hospital der Leitung und Ver—
waltung der dortigen Geistlichkeit — Mönchen aus Wadgassen — über—
tragen war. Was dieselben dort zu leisten hatten, ist gleichfalls an der
erwähnten Stelle schon angedeutet. Im Jahre 1766 wird Fr. Peter
Streff als Krankengeistlicher zu Merzig genannt. Daß auch die Propstei
Bockenheim ein Hospital besaß, ist auch ohne die bereits angedeuteten
Vermutungen wohl als selbstverständlich anzunehmen. In der Propstei
Hagenau ist das Hospital das erste, was überhaupt von da erwähnt wird.
Endlich bildete dann auch jede Wadgasser Pfarrei zugleich eine Filiale der
Armenpflege. Was den Weltgeifstlichen in dieser Beziehung zur Pflicht
gemacht wurde, das konnte in erster Linie auch von den Patres aus
Wadgassen erwartet werden. Sie konnten den Armen aus ihrem Ein—
kommen Unterstützung gewähren und den Kranken ihrer Pfarrei die Auf—
nahme ins Krankenhaus zu Wadgassen erwirken.
c. Ein Zeugnis über des Klosters Wirksamkeit im allgemeinen.
Professor Marx, der Geschichtsschreiber des Erzstiftes Trier, hat in
seinem fünfbändigen Werk auch die Geschichte der sämmtlichen Klöster und
Stifte des Erzbistums ausführlich behandelt und die Verdienste derselben
in jeder Beziehung gebührend hervorgehoben. Der vielhundertjährigen
Wirksamkeit der Mönche von Wadgassen aber spricht derselbe seine beson—
dere Anerkennung aus, indem er schreibt (Marr IV. S. 177/,78):
„Unter allen geistlichen Corporationen unseres Erzstiftes hat es keine
„gegeben, die ihr Vermögen und ihre Kräfte in so ausgedehntem Maße
„gemeinnützig verwendet hätte, und zwar bis zur letzten Stunde ihres Be—
„stehens, als die Abtei Wadgassen. Hat dieselbe auch allmählich einen bedeu—
„tenden Güterbesitz erworben und einen Compler von Gebäuden aufgeführt,
„die im achtzehnten Jahrhunderte einem herrschaftlichen Schlosse ähnlich
„gesehen haben, so wird kein Vernüuftiger ihr ihren Reichtum und ihre
„Größe mißgönnen oder tadeln können, wenn er vernimmt, daß die Abtei
„mit ihrem zahlreichen Personal, das sich öfter in die siebzig Conven—
„tualen belaufen hat, ein förmliches Seminarium gewesen ist, in welchem
„mehrere Conventualen als Professoren die Theologie lehrten, die jüngeren
„den Studien oblagen, und, mit Ausnahme der nötigen Officianten und
„altersschwachen Mitglieder, fast alle Priester als Pfarrer oder Vicare
„auf Pfarreien standen und in der Seelsorge thätig waren. In einem
„Tauschoertrage vom Jahre 1766 sind mit dem Abte 59 Conventualen
„unterzeichnet, von welchen zwei als Professoren Theologie lehrten, neun—
„zehn als Pfarrer auf Pfarreien längs der Saar, elf als Vicare, zwei
„als Verwalter von Pfarreien und einer als Frühmesser thätig waren.
„Daher konnte denn auch diese Abtei mit allem Rechte, obgleich allerdinas