Wie nahm sich das Kloster Wadgassen der Hilflosen und Leidenden au? 477
bon Mainz (1261) erwähnt ausdrücklich, daß fast mit jedem Kloster
Hospitäler zur Aufnahme armer, erwerbsloser Männer verbunden waren.
Das zweite Konzil von Ravenna (1311) verordnete, daß jeder Bischof täg—
lich mehrere Armen speise und verlangte dasselbe anch von den Domkapiteln,
Abten und Konventen, „weil das Kirchengut den Armen gehöre“. Jeder,
der verschänten Armen ein Almosen spendete, erhielt einen Ablaß von
10 Tagen. Jeder Pfarrer war verpflichtet, für die Armen seiner Pfarrei
zu sorgen und dafür einen Teil seines Einkommens zu verwenden. —
(Siebertz J. 45 nach Ratzinger S. 422).
Aus verschiedenen Schriften hat Siebertz I. 45-47 eine Reihe von
Beispielen zusammengestellt, aus welchen man sich ein Bild machen kann
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nur einige an.
Das Kloster Elugny unterstützte, außer den täglichen Spenden an 18
Arme, bei bestimmten Anlässen, besonders an hohen Festen, eine Menge
von Bedürftigen, deren Zahl an einem Tage oft 17000 betrug.
Das Kloster Premontré, obwohl sehr arm, konnte doch während einer
Huugersnot 500 Arme täglich speisen.
Das Kloster Heisterbach gab, während der Hungersnot 1197, an
manchen Tagen an 1500 Arme Almosen.
Das Kloster Hirschau verteilte vor seiner Unterdrückung jährlich an
100 Malter Früchte zu Almosen; an der Fastnacht und am grünen Don—
nerstag erhielten bei 900 Menschen jeder ein Pfund Speck und zwei
Pfund Brot nebst anderem. Täglich empfingen bei 200 Personen an der
losterpforte das Almosen an Geld oder an Speise.
Im Notjahr 1197 ließ der Abt des Klosters Hemmenrode tüäglich,
(sofern nicht Fasten geboten war) einen Ochsen mit Gemüse kochen und
samt Brot unter die Armen austeilen.
So war die Kirche stets die Zuflucht der Armen, Verlassenen und
Leidenden. Sie verstand es, die Herzen für Wohlthun zu gewinnen,
wohlhabende und reiche Personen mit Liebe zu den Armen zu beseelen,
daß sie ihr Leben dem Dienste der Armen geweiht haben. Die Kirche
hat um ihre Tempel umher Hospitäler und Almoseneien für Kranke und
Arme aufgeführt und sie wie eine schützende Mutter um sich versammelt.
Eine musterhafte Armenpflege hat sie seit den Tagen ihrer Gründung
durch den Welterlöser durch alle Jahrhunderte ausgeübt, hat hierin ge—
leistet, was die Welt sonst nie md nirgends gesehen hatte. — Marx II 244.
b. Wie nahm sich das Kloster Wadgassen der Hilflosen
und Leidenden an?
Der Lösung dieser Frage dienen schon die kurzen Erläuterungen über
die Enutwickelung der kirchlichen Armenpflege im allgemeinen, welche auch
deshalb vorausgeschickt werden mußten, um überhaupt einen Maßstab zu
gewinnen, die Wirksamkeit des Klosters Wadgassen auf diesem Gebiete
richig beurteilen zu können. Von Wadgassen brauchen wir hinsichtlich
seiner Fürsorge für jegliche Hilfsbedürftige nicht weniger zu erwarten, als
uns die allgemeinen Berichte der kirchlichen Armenpflege selbst im günstig—
sten Falle vermuten lassen. Das können wir behanpten auf Grund dessen,