Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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EB. Das Kloster Wadgafsfen im Dienste der Menschheit.

Noch mächtigeren Einfluß übte das Kloster Wadgassen auf die Ent—
wickelung der Industrie aus. Besonders blühte hier die Mühlenindustrie.
Getreide-, Ol-⸗, Walk-, Loh- und Sägemühlen hatte das Kloster eine ganze
Anzahl zu Wadgassen, Werbeln, Differten, Bommersbach, Lisdorf, Spiesen,
Ensheim, Burgalben und an vielen andern Vrten. Es hatte auch viele
Kalkbrennereien, Ziegeleien, zu Wadgassen auch eine Gerberei und eine
Bierbrauerei. Eine Glasfabrik befand sich in Werbeln, später auch eine
sfolche zu Differten. Das Kloster schachtete Kohlen aus bei Schaffhausen
und Erze auf dem Geisberg bei Sandhof. Den Betrieb an den ver—
schiedenen Industriestätten leiteten meist weltliche Aufseher oder Verwalter.
Der Bergbau verdankte im Mittelalter seinen Aufschwung größtenteils den
Klöstern; die Mönche erblickten darin nicht bloß eine Quelle ihres Wohl—
standes, sondern auch einen Hebel ihres Einflusses auf die Kultur ganzer
Landstriche. Die Ausfuhr au Steinkohlen, Erz und Holz muß schöon be—
deutend gewesen sein, weil in dem Vertrag von 1759 davon die Rede ist.
Das Eisenwerk in Geislautern bezog den Eisenstein aus dem, Wadgassischen.“

c. Derkehr und Handel.

Sowohl die Landwirtschaft als namentlich auch Gewerbe und In—
dustrie fauden endlich eine weitere Förderung durch die Fürsorge, welche
Kirche und Klöster dem Verkehrswesen zuwandten. In erster Linie sorgten
die Klöster für die Sicherheit des Reisens durch die Pflege fremder Rei—
senden. Das Reisen war bei der damals noch meist schlechten Beschaffen—
heit und Unsicherheit der Wege kein Vergnügen, sondern eher eine Last.
Rur die großen Heerstraßen, von denen einige noch aus der Römerzeit
herstammten, wurden durch Aufschüttung von Kalksteinen leidlich in Stand
gehalten. Der Verkehr zu Wagen beschränkte sich fast ganz auf den
Warentransport; das Reiten war für die Reicheren das hauptsächlichste
Fortbewegungsmittel. Die Wirtshäuser, wo man einkehren sollte, waren
meist schlecht und unsauber. Da waren es neben den Burgen und Zunft—
häusern besonders die Klöster, welche den Reisenden ihre Hospitäler und
Herbergen öffneten und sie gastfreundlich bewirteten. Darauf hinweisend,
schreibt „Michael“ in seiner Geschichte des deutschen Volkes: „Bedenkt
man, daß gerade diese kirchlichen Stiftungen es waren, welche an ein—
samen, weltverlassenen Orten zuerst eine Heimstätte der Kultur schufen,
so begreift man leicht die hohe Bedeutung, welche den Orden des Mittel—
alters für Reisende aller Art und für den Verkehr überhaupt zukam.“ —
Siebertz J. 5396. Nach der Ordensregel des hl. Benedikt souͤte die Be—
wirtung des Gastes die beste sein. Seinetwegen wurde der Prior, welcher
ihm Gesellschaft leistete, vom Fasten dispensiert. Das Wasser zum Waschen
der Hände mußte der Abt den Gästen reichen. Die Gäste, welche wie
die Regel sagt, „dem Kloster niemals fehlen“, sollten eine eigene Kirche
haben. Sodann folgten in der „Regel“ Vorschriften über Zimmer und
Bett, alles soll verständig eingerichtet sein. Den Benediktinern, welche sich
durch die Gastfreunbschaft sehr hervorthaten, standen die Prämonstratenset
durchaus nicht nach, wie denn auch dem Kloster Wadgassen in dieser Be—
ziehung günstige Zeugnisse zur Seite stehen. Im Jahre 1282 (siehe die
Chronik) wird die Gastfreundschaft des Klosters Wadgassen durch den
            
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