Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Sewerbe und Industrie.

4171.

zuch selber das Pergament und das Leder zum Einbinden der Bücher.
Andere Mönche böereiteten die Bretter für die Deckel, andere das Leder, ein
uiderer die Platten zum Pressen der Deckel. Der eine schnitt das Pergament
un gleichmäßige Blätter, der andere glättete dasselbe, ein anderer zog die
Linien darauf, ein anderer bereitete die Federn. Was zur Ausschmückung
der Kirchen und des Gottesdienstes gehört, wurde regelmäßig von Möuchen
berfertigt. In den Klöstern gab es Architekten, Bildhauer, Orgelbauer,
Hloͤckengießer. Von den Conversen schreibt Trithemins (Marx IV. 548), daß
es unter ihnen sehr geschickte Handwerker, Meister und Mechaniker gegeben
habe, die alle Gebäude selber mit der größten Sorgfalt und Kunstfertigkeit
zusgeführt hätten, denn sie seien geschickte Zimmerleute, Tischler, Schmiede,
Steinmetzen und Maurer gewesen, hätten Kloster und Kirche erbaut;
auch die Schneider, Gerber, Schuhmacher und welche Handwerker immer
für ein Kloster nötig gewesen, habe man nicht von außen herzunehmen
gebraucht, indem man solche nuter den Laieubrüdern gehabt habe. Was
Professor Marr von den Klöstern im allgemeinen schreibt, wird wenigstens
teilweise auch für Wadgassen gelten. Doch finden wir, daß unser Kloster
schon frühzeitig auch wellliche Handwerker einstellte, welche sie sogar von
der Hörigkeit oder Leibeigenschaft befreite und die sich daher Edle, d. h.
Freie, naumten. Seit den ältesten Zeiten blühte schon die Tuchfabrikation
in Wadgassen, wie die Verpflichtung zur Tuchlieferung an den Thorhüter
zn Saarbrücken beweist. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde zu
Wallerfangen durch Arnould, Herr von Velsberg und Lise seine Gemahlin
die Innung der hl. Barbara die der Tuchmacher und Leinenweber) ge—
gründet. Der Edle, Peter von Wadgassen und Katharine seine Frau, der
Edle Heinrich von Wadgassen und Katharine seine Frau, gehörten zu den
ersten Gründern — (Baltzer J. 124.) Wie die Kirche für die Aufhebung
der Leibeigenschaft im allgeneinen besorgt war, so sorgte sie besonders
für die Besserstellung des Handwerkerstaudes. Man gab zuerst einen be—
deutenden Teil leibeigener Leute frei, nicht allein in den Städten, und die
GHeistlichkeit als der gebildetste Stand ging hierin den Fürsten und Herren
mit dem rühmlichsten Beispiele voran. Am Schlausse des 13. Jahrhun—
derts waren die leibeigenen Handwerker in Deutschlaund verschwunden.
Durch die Ausbildung weltlicher Handwerksmeister, deren späterhin immer
mehr in Wadgassen angetroffen wurden und für welche ein besouderes
Werkhaus erbaut war (Bild 1736), wurde das Kloster der Lehrmeister
des Handwerks für weite Bezirke, indem die verheirateten Handwerker ihre
Kunst sowohl auf die Kinder verpflanzen, als auch persönlich und durch
Annahme von Lehrlingen in andere Kreise verbreiten konuten. So stammen
.B. die Altäre und Wandvertäfelungen im Chor der Kirche zu Püttlingen
in Lothringen, sowie verschiedene Paramente der Kirche zu Leyweiler direkt
aus Wadgassen. Unter dem Einflusse des Zunftwesens, zu dessen Ent—
wickelung auch das Kloster (wie wir eben hörten) sein Möglichstes beitrug,
zedieh das Handwerk im Mittelalter zu hoher Blüte. Der deutsche Hand—
verker erhob sich in fertiger Geschicklichkeit und kunstsinniger Bearbeitung
über die Gewerbetreibenden aller übrigen Kulturländer. Das Hanudwerk
war Kunst geworden, und die großen Künstler gingen aus den Handwerkern
hervor. Das war die Zeit, da das Handwerk noch einen goldenen Boden
hatte. — GSiebertz J. Nr. 34.)
            
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