Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

168 F. Das Kloster Wadgassen im Dieuste der Menschheit.

Auf diese Weise wurden Sauen und Treibreiser verbreitet; aus dem
Klostergarten gelangte die neue Pflanze in die Gärten und auf die Äcker
der benachbarten Törfer. — Wie überhaupt die ersten deutschen Gärten
Klostergärten gewesen sind, so blieben sie auch in der Folge stets Muster—
anlagen, welche von den Bauern nachgeahmt wurden, deren Gärten mehr
oder minder als vollständige Wicderholungen oder Nachbildungen der
Klostergärten zu betrachten waren. In ähnlicher Weise bildeten die Muster—
wirtschaften auf den Höfen der Klöster Ackerbauschulen für die weltlichen
Großen wie für die eigenen Hintersassen. Ferner waren die Mönche eifrig
thätig, dem Landmanne den Weinbau zu lehren und ihm so neue Ein—
nahmequellen zu schaffen. Schon im 13. Jahrhundert gab es bei den
Klöstern Fruchtspeicher (Vorratsmagazine), welche den Preisschwankungen
begegnen sollten, die sonst bei Krieg, Brand, Hagel und Mißwachs ge—
wöhnlich vorkamen. Dank den Erfolgen der Benediktiner, Prämonstratenser
und Cistercienser, welche in der Pflege des Ackerbaues miteinander wett—
eiferten und große Erfolge erzielten, war der Bodenban in Deutschland
bereits um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts zu verhältnismäßiger
Höhe emporgestiegen. Das landwirtschaftliche Leben gelangte zu Einfluß
im staatlichen und gesellschaftlichen Getriebe, und es äußerte sich im Wohl—
stande der Bauern, welcher sich in den verschiedensten Teilen Deutschlands
zu erkennen gab und von allen Kulturgeschichtsforschern bezeugt wird.
Mit Unrecht wird daher die Sachlage oft so hingestellt, als habe der
Bauer unter der geistlichen Herrschaft in Schmach und Elend gelebt. An
mannigfachen Belastungen der Bauern fehlte es freilich nicht; trotzdem aber
war (schreibt Janssen) ihre ökonomische Lage meist eine günstige; in einzelnen
Bauernschaften Nicderbayerns muß geradezu üppiger Wohlstand geherrscht
haben. Nicht umsonst wurde im Jahre 1497 auf dem Reichstage zu
Lindau und dann auf miehreren folgenden Reichstagen die Verordnung
erlassen, „daß der gemeine Bauersmann und arbeitende Leute in Städten
oder auf dem Land kein Tuch anmachen oder tragen sollen, das die Elle
über einen halben Gulden kostet; auch sollen sie keinerlei Gold, Perlen,
Sammt, Seide, noch gestückelte Kleider tragen, noch ihren Weibern und
Kindern zu tragen gestatten.“ — Siebertz J. 68. Der reichen Kleidung
des Bauern entsprach seine Nahruug. So heißt es in einem 1498 zu
Mainz herausgegebenen „Buch von den Früchten, Bäumen und Kräutern“
sehr bezeichnend: „DTieweil der Bawer arbeitet, so hat er auch rychliche
Nahrung und isset vollauf Fleisch aller Art und Visch, Brot und Obst
und trinket Wein offten in Übermaß, das aber nit zu loben. Sunst mag
wol der Bawerntisch als der gesundest geschätzet werden.“ Mit der Auf⸗
fassung Janssens über den Wohlstand der Bauern vor der Reformation
stimmt auch der vielfach auf einem andern Standpunkt stehende A. Huber
überein, welcher schreibt: „Wie gut es den Bauern am Ende des 15. und
am Anfange des 16. Jahrhunderts in materieller Beziehung erging, sicht
man daraus, daß in vielen Gegenden Deutschlauds täglich zweimal Fleisch
auf den Tisch kam und sogar dem Gesinde, und den gut bezahlten Tag—
löhnern häufig Wein gereicht wurde.“ — Üüber die gesellschaftliche Stel—
lung des Bauernstandes im Mittelalter schreibt Lamprecht: „Der Gedanke,
daß grundhörige Landnitzung ohne weiteres und an sich, in unerbitter—
licher Konsequenz, unfrei mache, blieb dem ganzen Mittelalter fern. Erst
            
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