Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

19. Das Kloster Wadgassen im Tienste der Menschheit.

sothanen halben gulden ist die schnhl wie gewöhnlich im winter gehalten, im
Sommer aber des tags zwei Stunden gehalten, nach Bequämlicher Erkandauß
gehalten ausbehalten Hay und Getrayd Ernd.
Was die Zahlungs-Termin anbetrifft verspricht die Pfarrey Ensheim die schul—
dige schuhlfrüchten mit respective schuhlgeld als Erstlich: die schuhlfrüchten auf
Martiny auf Einen Tag ohne anstand au Herrn Schuhlmeister Ein liefern und das
verdieute schuhlgeld umb österliche Zeit waunns verdient ein zu licfern shuldig sein
und so fern sich saumseclige in der Jahlnng zeigen, durch Herrn Mayer und Vor—
steher durch herrschaftliche gewalt zur Zahlung anhalten. also wird dieser acord
auf das Jahr gemacht und richtig contrahiert von Maria Verkündigung 1709 und
bis Maria Verkündigung 1790 ist also von der Pfarrey geschlossen und von der
Pfarrey Vorsteher respectiys unterschrieben und uuter Hand zeichnet worden.
Ensheim quibus ut supra.

Unterschrieben sind:
Peter Adt Meyer Paulus Weétzel gerichtschäffen
Adam vinn gerichtsschäffen Theobald Grent
Johannes Waltor gemeiner Rechner Mathias Sechmit Heymegher

Als besonders bemerkenswert in dieser Urkunde erscheint 1. die Be—
rufung des Lehrers durch die Pfarrverwaltung, 2. die Anstellung desselben
auf ein Jahr und 3. die Unterrichtszeit, welche im Sommer nur zwei
Stunden täglich betrug. Nicht minder interessant ist die Nachweifung der
Bezüge, die dem Lehrer für den Küster- und Schuldienst zustanden.
Über' die Befähigung des Lehrers zum Schulamte ist aus dem Akte nichts
zu ersehen. Er scheint nichts weiter als ein Laie gewesen zu sein, der vom
Pfarrer vorgebildet und von diesem zur Anstellung als Lehrer in Vorschlag
gebracht worden ist. Es liegt auf der Haud, daß das Kloster selbst in den
ältesten Zeiten um geeignete Lehrer nicht in Verlegenheit kommen kounte.
Waren es nicht mehr cigene junge Geistliche, welche den Unterricht erteilten,
dann konnte das Kloster doch Laien selbst zum Lehr- und Küsteramte aus—
bilden, und selbst solchen, die schon im Amte waren, stand doch die Kloster—
schule sowie die Bibliothek zur weiteren Fortbildung zur Verfügung. Die
Abtei mußte selbst auch ein direktes Interesse an tüchtigen Lehrern haben,
denen sie in der eigenen Verwaltung wichtige Rebenämter (Gerichtsschreiber!)
übertrug, wodurch übrigens die Stellung des Lehrers sehr an Ansehen ge—
winnen mußte, welches wiederum einen günstigen Einfluß auf den Erfolg
der Wirksamkeit im Hanptberufe ausüübte. Zur Cinrichtung und Ausstattung
der Schulen mangelte es gleichfalls weder an Verständnis noch an gutem
Willen, und wenun auch die Unterthanen der betreffenden Gemeinden für
die Herstellung des Schulgebäudes und für die Unterhaltung desselben und
des Lehrers zu sorgen hatten, dann war doch die Abtei meist in der Lage,
bei ungünstigen Verhältnissen für das Fehlende selbst aufzukommen. Wie
stand es aber auf der andern Seite mit dem Schulbesuch? Trotz dem schönen
Lobe das demselben oft gespendet wurde, kann derselbe immer nur als be—
züglhich günstig angesehen werden. Da ein Schulzwang nicht bestand, so
kann weder von einem streng regelmäßigen noch von einem allge—
meinen Schulbesuch die Rede sein. Am meisten wurde der Schul—
ümterricht von den Knaben besucht, während die Mädchen noch vielsach
ohne Schulbildung blieben. Ich habe die Staudesakten des Amts Schaff⸗
            
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