Die Klosterschule zu Wadgassen.
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Alkuins Schüler, Rhabanus Maurus, welcher seit 813 in Fulda wirkte,
den Kloster, Dom- und Stiftschulen gegeben hatten. Wenn nun auch die
sogenannten sieben freien Künste noch durch das ganze Mittelalter im all—
gemeinen die Richtschnur des Unterrichtszieles und den Umfang des Unter—
richtspensums bezeichneten, so mußte sich doch im Laufe der Zeit durch
Nusbarmachung wichtiger Erfindungen und durch den Einfluß pädagogischer
Schriftsteller namentlich in Gang und Methode des Unterrichtes ein großer
Wandel vollziehen. Das wird sofort klar, wenn wir bedenken, welche
Vorteile die Einführung der arabischen Ziffern dem Rechnen, die billigere
Herstellung bes Papiers und andern Schreibmaterials dem Schreibunter—
richt, sowie endlich die Buchdruckerkunst dem Leseunterrichte, ja dem ganzen
Unterrichtsbetriebe brachte.
Erecignisse anderer Art beeinflußten endlich auch den Zweck und die
ttniversale Bedeutung der Klosterschulen. Als namentlich infolge der Kreuz—
züge das Bürgertum sich entwickelte und sich die Städte zu Macht und
Blüte hoben, als dann auch durch die Erfindung des Schießpnlvers der
Ritterstand seine frühere Bedeutung verlor, wogegen die Bauern und
Handwerker zu immer freierer Lebensstellung gelangten, da wurde das
Bedürfnis nach Schulen zuerst in den Städten, dann immer mehr auch
auf dem Lande ein immer größeres, das die vorhandenen Klosterschulen
nicht mehr vollständig zu befriedigen vermochten. Durch die Gründung
der Lateinschulen in den Städten verloren die Klöster einen großen
Teil ihrer Laienschüler, wie dann durch die Einrichtung von Land- und
Pfarrschulen auch die niedere Schule im Kloster mit der Zeit überflüssig
wurde.
Wenn wir nach diesen Darlegungen nun darthun wollten, welche Auf—
gabe die Klosterschule zu Wadgassen im Laufe der Zeit zu erfüllen hatte,
dann müßte zunächst festgestellt werden, daß zwischen den Wirkungsge—
bieten der Domschulen von Trier, Metz und Straßburg, sowie den Kloster—
schulen von Mettlach und Tholey das mittlere und obere Saargebiet seinen
geistigen Mittelpunkt in Wadgassen hatte, dessen Klosterschule mindestens bis
zur Errichtung der Lateinschule in Saarbrücken fast die einzige Kulturstätte
für Wissenschaft und Volksbildung abgab. Späterhin wird diese Schnle
immer mehr auf den Kreis der eigeuen Herrschaft und endlich auf das
Bedürfnis der Klosteranstalt beschränkt worden sein. Weil aber die Latein—
schule in Saarbrücken in ein evangelisches Gymnasium umgewandelt wurde,
(1604), von welcher, namentlich in jener Zeit, sich die gläubigen Katho—
iiken noch fern hielten, so sah sich die Klosterschule vor eine neue Auf—
gabe gestellt, die katholische Wissenschaft besonders zu pflegen, wobei es
ihr an katholischen Laienschülern auch noch zu dieser Zeit nicht wird ge—
fehlt haben.
Daß man es in Wadgassen mit dem Studium sehr ernst nahm, geht
schon aus den erwähnten Statuten hervor. Wir sehen, daß nicht nur die
Novizen von gelehrten Magistern unterrichtet wurden, sondern auch die
älteren Conventualen sich noch mit ernsten Studien beschäftigten und noch
beständig, d. h. täglich zu bestimmten Stunden Vorlesungen hörten. Des—
halb wohl sagt Dr. Krohn: „Das Personal, wohl an 70 Personen stark,
bildete zugleich ein förmliches Seminar, eine theologische Facultät.“ In
ähnlicher Weise äußert sich auch Professer Marx: „Die Abtei war ein