Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Die Klosterschule zu Wadgassen.

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wir, sagt Professor Marx, viererlei Schulen, teils neu entstehen, teils
neu belebt werden: 1. Die sogenannte Hofschule, 2. die bischöflichen oder
Cathedralschulen, 3. die Klosterschulen und 4. die Pfarrschulen. Für unsere
Geschichte sind nur die beiden letzteren in Betracht zu ziehen.

a. Die Klosterschule zu Wadgassen.

Daß in Wadgassen seit der Gründung der Abtei eine Klosterschule
hestand, muß als selbstverständlich angenommen werden, da sie die vielen
tlostergeistlichen auf ihren Beruf vorzubereiten und auszubilden hatte.
Diese Schule wird dann auch in den Acten verschiedentlich erwähnt, zuerst
1505, in welchem Jahre die Fenster derselben neu gemacht werden mußten.
In den Statuten von 1621 ist von dem Unterrichte die Rede, den die Novi—
zianten von einem gelehrten Magister empfingen. 1680 wird „der Ehrwürdig
und Wohlgelehrte Pater Godfridus Bleymann, jetzo Philosophia und
Theéologia Lector im Gotteshaus Wadgassen“ genamit. Endlich ist auf dem
Abteibilde vom Jahre 1736 die Klosterschule als besonderer Gebäudeteil
sichtlich dargestellt. Über die Einrichtung dieser Schule und die Unterrichts—
gegenstände ꝛc. in derselben können wir aus unsern Acten leider nichts
Näheres erfahren, als höchstens die kurze und unvollständige Andeutung,
die in den Statuten darüber enthalten ist, so daß wir zur Gewinnung
eines Einblicks in diese inneren Schulverhältnisse aus allgemeinen Dar—
stellingen über die Klosterschulen Belehrung suchen müssen. In einer
kurzen Abhandlung über die Klosterschulen schreibt Alleker (die Volksschule
S. 4): „Die Schule, welche von den Mönchen in einer Abteilung des
Klostergebäudes gehalten wurde, nahm nicht nur Kinder auf, damit sie in
den heiligen Religionswahrheiten und in den Anfangsgründen des Lesens
und Schreibens unterrichtet würden, sondern ihr vornehmster Zweck ging
dahin, auch Zöglinge zum Priesterstande heranzubilden und demgemäß die
danals bekannten höheren Wissenschaften zu lehren. Da manche Schüler,
welche Beruf zum Ordensleben zeigten, in dem Kloster blieben und in den
Orden aufgenommen wurden, erzogen die Klöster meist selbst ihren Nach—
wuchs. Die Klosterschule war teils eine innere, teils eine äußere. In
der innern Schule gehörten die Schüler, welche im Kloster wohnten und
dort ihre ganze Erziehung erhielten, insbesondere diejenigen, welche in den
verschiedenen Wissenschaften weitere Studien machten. Die äußere Schule
wurde auch von auswärtigen Schülern besucht, und der Unterricht in ihr
hatte es hauptsächlich mit den Anfangsgründen zu thun. Das Lehramt
versahen diejenigen Mönche, welche nach ihren Kenntnissen und ihrem Ge—
schick dafür tauglich schienen und von den Ordensobern dazu berufen wurden.
Das Schulamt, namentlich dasjenige für die höheren Wissenschaften der
inneren Schule, galt unter den Mönchen des Klosters für eine ehrenvolle
Stellung. Aus diesen Lehrern ward in der Regel der Obere des Klosters
gewählt. So war der Obere auch im Stande und befähigt, die ihm
obliegende Pflicht der höchsten Aufsicht und Leitung, nicht nur was die
allgemeinen Angelegenheiten des Klosters anging, sondern auch was die
Zucht und das Gedeihen der Schule betraf, fortwährend zu erfüllen.“
            
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