Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

160 B. Das Kloster Wadgassen im Dienste der Menschheit.

richten über diese Pfarrei sind in unseren Papieren nicht zu finden. Es
gibt ein Wallmünster bei Teterchen und ein Wolmünster bei Bitsch, aber
kein Waldmünster; es kann also vorläufig nicht genan festgestellt werden,
in welchem der beiden Orte der Pater thätig war.

57. Die Pfarrei Willingen.
Das Patronat zu Willingen wurde dem Kloster Wadgassen im Jahre
1214 von dem Ritter Reiner zu Lisdorf übergeben, welcher auch den
Zehnten und andere Güter daselbst dazu schenkte. Das Präsentationsrecht
übte das Kloster mit der Abtei zu Busendorf abwechselnd — zweimal
Wadgassen, einmal Busendorf — aus. Nach Bärsch erhielt Wadgafsen das
Patronatsrecht zu Willingen durch die Hand Simon's III. von Saar—
brücken, von welchem der Ritter Reiner von Lisdorf dasselbe wahrschein—
lich zu Lehen trug. Als Pfarrer zu Willingen finden sich folgende Re—
ligiosen aus Wadgassen beurkundet: 1697 l'r. Milo Regal; 1716 Pr.
Anton Mertert; 1759 Fr. X. Schauk; 1766 Pr. J. B. Bordier — der
letzte Aht.

IV. Pflege der Wissenschhaft und Volksbildung.

Das richtige Verständnis über das mittelalterliche Schulwesen in
Deutschland kann nur durch ein (wenn auch nur kurzes) Eingehen auf die
Entwickelung desselben gewonnen werden. Dazu schreibt Dr. Nikel (All—⸗
genteine Kulturgeschichte S. 385): „Wo immer christliche Missionäre ihren
Fuß hingesetzt und sich dauernd niedergelassen hatten, dort entstanden auch
Bildungsstätten, in welchen außer den Lehren des Evangeliums die Ele—
mente der Wissenschaft dem heranwachsenden Geschlechte überliefert wurden.
Während die romanischen Länder in der vorkarolingischen Zeit zahlreiche
Schulen besaßen, waren in Deutschland die ersten Schulen mit den ältesten
Niederlassungen der Benedictiner verbunden. In der Finsternis jener Zeit
war die Kirche die einzige Macht, welche, die Fackel der Wissenschaft hoch
in der Hand tragend, die Länder durchschritt, in denen sie das Kreuz
Christi als Siegesbanner aufgepflanzt hatte. — Die zahlreichen Orden,
welche sich seit dem zehnten Jahrhundert von dem Benedictinerorden ab—
zweigten, legten zwar auf die Pflege der Studien nicht gleichen Wert
wie der Stammorden . ..; aber einige Orden, wie die Prämonstratenser
und Cistercienser waren doch für die östlichen Länder, Brandenburg, Meißen,
Schlesien und Polen, von ähnlicher Bedeutung wie die Benediktiner für
die westlichen.“
In ähnlicher Weise spendet Dr. Kayser (Kehreins Überblick S. 96)
den Augustinern und Prämonstratensern großes Lob mit den Worten:
„Die Augustiner machten sich nach dem Beispiele ihres Patrons, des
hl. Augustinus, die Förderung der Wissenschaft und den Unterricht der
Jugend zur besonderen Aufgabe, ebenso die von Norbertus, dem Erz
bischoffe von Magdeburg, gestifteten Norbertiner oder Prämoustratenser.“
Eine mächtige Förderung hatte das Schulwesen durch Karl den Großen
erhalten, welcher zahlreiche Schulen neu begründete. Zu feiner Zeit sehen
            
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