H. Das Kloster Wadgassen im Dienste der Menschheit.
30. Die Pfarrei Hülzweiler.
„Das Recht, die Pfarrstelle in Hülzweiler ausschließlich zu verleihen,
wurde im 16. Jahrhundert der Abtissin von Fraulautern von einigen
Mitdecimatoren streitig gemacht. Bei der Visitation von 1618 wird sie
zwar Pfarrkirche genannt, aber ihr Inhaber war der Pfarrer von Roden.
Die Zahl der Kommunikanten war 70. Den Gottesdienst und die Seel—
sorge versahen abwechselnd die Prämonstratenser von Wadgassen, die
Augustiner in Wallerfangen und andere Nachbarn.“ de Lorenzi.
31. Die Vicarie Kleinblittersdorf.
Dieser Ort war gleich Auersmacher und Cochlingen Filiale der Pfar—
rei Großblittersdorf. Bis zum Jahre 1760 befand sich eine Filialkapelle
nur zu Cochlingen, welches zwischen den beiden audern Filialorten lag.
Diese Kapelle, welche der h. Agatha geweiht war, soll ursprünglich sogar
Pfarrkirche der genannten Orte gewesen sein. Nach de Lorenzi bernht
diese Annahme wahrscheinlich auf einer erschlichenen päpstlichen Bulle, durch
welche den Einwohnern von Kleinblittersdorf und Cochlingen gewisse Pfarr—
rechte 1473 gewährt wurden. Nach Entdeckung des Betruges räumte
ihnen jedoch Wadgassen das Recht eines eigenen Taufbrunnens ein. Die
uralte Capelle von Cochlingen wurde um das Jahr 1760 auf Bitten der
Einwohner von Kleinblittersdorf und Auersmacher, welche sich in dem ge—
nannten Jahre jede ihre eigene Kirche bauten, niedergelegt. Die Kirche
zu Kleinblittersdorf wurde gleich der früheren Kapelle zu Cochlingen der
h. Agatha geweiht. Während nun bis 1760 die genannten Filialen durch
einen Vicar gemeinsam verwaltet wurden, dessen pfarrliche Obliegenheiten
wahrscheinlich doch größtenteils in der Kapelle zu Cochlingen ihre Erle—
digung fanden, kam es nach diesem Jahre zu einer Trennung, indem
Auersmacher einen besondern Vicar erhielt, wohingegen Kleinblittersdorf
durch einen Vicar von Großblittersdorf aus bedient wurde. Das erhellet
schon daraus, daß 1759 Fr. J. B. Steichen sich noch als Vicar von
Auersmacher und Kleinublittersdorf unterzeichnet, wohingegen 1766/67
der Fr. E. Busch sich residierender Vicar (nur) zu Auersmacher neunt,
jedoch in Großblittersdorf außer dem Pastor noch ein Vicar vorhanden
ist, der jedenfalls für die Verwaltung der Vicarie Kleinblittersdorf be—
stimmt war. — Im Pfarrbezirk von Kleinblittersdorf befindet sich die
Kapelle von Wintringen, welche dem h. Wolfgang geweiht ist; sie bildet
eigentlich nur das Chor einer im schwedischen Krieg zerstörten Kirche.
Dieser Kirche geschieht schon in der Chronik 1652 Erwähnung; die Ziegel
derselben wurden nach Wadgassen, gefahren und beim Wiederaufbau des
Klosters zum Decken verwendet. Über Zehntrechte zu Kleinbl. S. S. 338.
32. Die Pfarrei Kleinbockenheim.
Das Patronat der St. Martinskirche in Kleinbockenheim und die
Kapelle in Kindenheim erhielt das Kloster schon 1196. Aus weiteren
Nachrichten der Chronik von 1196, 1266, 71, 1507 und 1582 geht hervor,
daß diese Kirche dem Kloster zur Verwaltung incorporiert und auch von
Wadgasser Geistlichen der dortigen Propstei bedient worden ist.