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P. Das Kloster Wadgassen im Dienste der Menschheit.
Verbande der Anstalt von St. Georg ihre Kräfte noch immerfort dem
Dienste Gottes widmeten und nicht lutherisch wurden, was verschiedentlich
geglaubt und behauptet worden ist, so zeugt doch jener Akt weder von
einem glänzenden Mut noch von einem priesterlichen Eifer, wie solcher
hätte sein müssen in diesen traurigen Umständen. Der Magistrat von
Hagenau, welcher mit Majorität die neue Lehre angenommen hatte, suchte,
um die Opposition der regulierten Geistlichkeit zu brechen, sich der Admi—
nistration der weltlichen Einkünfte zu bemächtigen, um sich sodann sicherer
in die geistlichen einmischen zu können. Einen Vertrag dieser Art machte
er mit den Johannitern von St. Georg. Die Administration der Güter
von St. Georg war geleitet durch einen Okonom, der aus dem Schoße
des Senats gewählt war, und die Einkünfte von St. Nicolas gingen jeszt
vermengt durch dieselbe Hand. Vom Tage dieses unglücklichen Vertrages
maßte sich der Magistrat auch das Recht an, den Pfarrer zu ernennen.
Wie für die Stadt überhaupt, so unheilvoll war diese Praxis für die
Pfarrei St. Nicolas. Nach dem Vertrage von 1535 setzten die Prämon—
stratenser so gut es ging den religiösen Dienst unter der Vormundschaft
einer ihr feindlich gefinnten weltlichen Autorität fort. Wie die Anhänger
der Reformation es mit dem Franziskanerkloster gemacht hatten, so suchten
sie bald auch der Kirche St. Nicolas sich zu bemächtigen. Eines Tages
machten sie auf dieselbe einen gewaltsamen Angriff, indem sie während des
Gottesdienstes einen Einbruch verübten und dadurch Verwirrung und Un—
ordnung erregten. Vom Magistrat, welcher der Reformation gewogen
war, erlangten sie dann nachher im Jahre 1579 ein Verbannungsurteil
für die Prämonstratenserpatres. Diese Religiosen verließen alsdann das
Kloster und die Stadt und begaben sich ins Auslaud. Die Lutheraner
—
predigten dort die neue Lehre. Die Denkschriften aus der Periode, die
nun folgte, haben nicht große Details davon offenbart, aber man weiß
doch, daß als die Rückwirkung zugunsten des alten Glaubens sich wieder
bemerkbar gemacht, die Pfarrei St. Nicolas das gute Glück hatte, in der
Person des Pfarrers Felix Schwan einen Vertreter zu besitzen, voll Mut
und Eifer, die unglücklichen Folgen dieser Periode zu bekämpfen. Zu seiner
Unterstützung rief dieser im Jahre 1595 die Jesuitenpatres, welche sich
seit einiger Zeit in Molsheim etabliert hatten, nach Hagenau. Die Pre—
digten dieser Väter hatten einen solchen Erfolg, daß man bald nachher
sie auch für St. Georg begehrte. Im Jahre 1600 fand man noch zu
St. Nicolas einen vom Magistrat ernannten Pfarrer Sebastian Piscator,
der wegen gewisser Reformen zweideutiger Natur zur Rechtfertigung ver—
pflichtet wurde, worauf er seine Stellung noch im selben Jahre aufgab.
Um das Jahr 1615 kamen die Kapuziner nach Hagenau, und während
man ihnen eine Niederlassung in der Pfarrei St. Georg bereitete, predig—
ten und functionierten fie zu St. Nicolas. Alsdann aber hatte diese
Kirche wie die Stadt überhaupt wieder schwer zu leiden von dem heillosen
Mißgeschick des schwedischen Krieges. Die Mansfelder hatten sich bald
der Kirche bemächtigt und dieselbe den Landsknechten zum Plündern preis—
gegeben. In dieser Kriegsperiode kam es mehr als einmal vor, daß
St. Nicolas des Pfarrers beraubt und wie es scheint verlassen war.
Endlich nach einer Verbannung von siebzig Jahren kamen 1643 die