Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Die Wadgasser Pfarreilen.

1416

Zeit die Katholiken sich um eine katholische Fahne zu sammeln pflegten
und jede Teilnahme an dem lutherischen Gottesdienst verweigerten, setzten
die Franzosen im Reunionskrieg 1682 die Katholiken wenigstens in den
Mitbesitz der Kirche im „Kellerdal“ ein, und bei diesem Simultaneum
blieb es auch im Ryswicker Frieden. Die Patres von Wadgassen ver—
sahen den Gottesdienst unentgeltlich, da die Regierung den Zehnten und
anderes Kirchenvermögen an sich gezogen und schon 1657 den Abt ge—
zwungen hatte, das Patronatsrecht an den Fürsten abzutreten. Der Abbé
de Vergas (Wadgassen) ließ einen Altar bauen, und die katholischen Ein—
wohner sorgten für eine Pfarrwohnung und kollektierten für die sonstigen
kirchlichen Bedürfnisse. Das Chor der Kirche sollte nach demselben Frie—
densschlusse den Katholiken allein verbleiben, wurde ihnen aber vorenthalten.
Bei der Visitation von 1718 gehörten zur Pfarrei ,‚Köllen“
nicht weniger als 26 Orte auf Saarbrücker und französischem Ge—
biet. Im Jahre 1720 wurde in Ermangelung eines Schulhauses der
Unterricht der Kinder im Pfarrhause erteilt. In den Filialen Engelfangen,
Sellerbach, Etzenhofen, Überhofen, Herchenbach und Niederselbach waren im
Jahre 1739 nur je 14 Lutheraner, in Straßen, Carhof, Rittenhofen,
Sprengen und Elm nur Katholiken. Der Schulunterricht wurde gut, er—
teilt. — Die Kirche hat noch heute den h. Martinus zum Patron. Über
dem Portal derselben steht die Jahreszahl 1548; der Bau scheint aber
piel älter zu sein. Die Lage des Turmes auf der Nordseite neben dem
spitzbogigen Chor deutet darauf hin, daß ersterer der älteste Teil des Ge—
häudes ist.
Verschiedene Einzelheiten über die Pfarrei Cölln hat uns bereits die
Chronik erzählt, siehe: 1223, 24, 25; 1429; 1697; 1759, 66 und S. 284.
— Nach Köllner bezog der Pastor in Cölln als jährliches Gehalt aus dem “ß
des Zehnten, der der Abtei gehörte, 50 Malter Früchte, halb Korn und
halb Hafer. Wegen Verlust dieser Zehnten durch die Reformation gab der
König von Frankreich jedem Pfarrer 300 Franken. Als Pfarrer zu
Cölln wird 1690,91 Petrus Müller, 1744 Jacob Hilger genannt; ver—
schiedene andere sind in der Chronik erwähnt. de Lorenzi zählt folgende
auf: 1569 Joh. Hoffelt; 1718.20 Gilbert Kohl; 1739 Jacob Hilger;
1758.77 Daniel Weyrich; 1778.82 Martin Riem; 1784.85 Johann
Baptist Steichen; 1786.89 Johann Blasius; 1790 — 1810 Johann Dum—
melding.

10. Die Pfarrei Coume. — alias Beringen.

Zur Geschichte dieser lothringischen Pfarrei (Coumso bei Bolchen)
stelle man zunächst zusammen, was die Chronik darüber berichtet; siehe:
1276, 78, 82, 89; 1538, 93; 1708, 09, 10, 16, 598, 67.
Bärsch schreibt: Im Jahre 1277 gestattete der Erzbischof von Metz,
Lorenz von Leistenberg (1269 — 1279) dem Kloster Wadgassen die Pfarr—
kirche zu Beringen mit ihren Kapellen und Zubehör zum Nutzen des
Klosters einzuziehen und die Seelsorge durch einen Vicar verwalten zu
lassen.
Den Regesten von Köllner sind noch folgende Notizen entnommen:
1400 war Thilemann Pastor in Beringen oder Coumoe.
            
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