Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

08 E. Das Kloster Wadgassen im Dienste der Menschheit.

Pfarrstelle mußten die Präbendarier einen Revers ausstellen, daß ihnen
der Abt von Wadgafsen als Kollator das Amt aus eigener Macht und
lediglich auf ihre Bitte hin übertragen, daß sie die Pfarrei mit aller Treue
und Sorgfalt verwalten und alle Pflichten eines Seelsorgers den Ordens—
regeln gemäß erfüllen, jährliche Rechnung über das Einkommen dem Con—
vent vorlegen, dem Abt willigen Gehorfam erweisen und auf dessen erste
Einberufung unweigerlich das anvertraute Pfarramt niederlegen und ins
Kloster zurückkehren wollten.
Das Gebiet, in welchem die Abtei Wadgassen die Seelsorge durch
seine Conventualen ausübte, ging weit über das eigene Territorialgebiet
hinaus. In der Reformationszeit gingen in der Grafschaft Saarbrücken
und in der Pfalz manche Pfarreien verloren, während sich die eifrigen
Mönche in sehr vielen Orten, trotz aller Gewaltthat gegen die Katholiken,
zu halten vermochten.
Daß in den Kreisen Saarlonis und Merzig die Reformation keinen
Boden gewann, ist das ausschließliche Verdienst der seeleneifrigen Prä—
monstratenser Mönche von Wadgassen. Als in den französischen Reunions—
kriegen die Katholiken an der Saar wieder in ihre alten Rechte teilweise
eingesetzt wurden und es an Seelsorgern fehlte, da waren es wieder die
ruhmwürdigen Väter von Wadgassen, welche in vielen Orten die Seel—
sorge ohne jegliches Entgelt übernahmen. — An Hauptorten wurden Prop—
steien gebildet, von wo aus der Probst mit mehreren Kaplänen Ort und
Umgegend mit Seelsorge versah.
Die einschlägigen uns überkommenen Nachrichten über die Wadgasser
Pfarreien stimmen nicht überein, ohne sich jedoch zu widersprechen, da sie
aus verschiedenen Zeiten stanimen. Sehr zuverlässige Daten finden sich in
de Lorenzi, Geschichte der Pfarreien des Bistums Trier, welche ich zur
Grundlage meiner Darstellung nehmen und hie und da durch Nachrichten
von Bärsch, Köllner, Motte und Kirchenbuch Wadgassen ergänzen werde.

b. Die Wadgasser Pfarreien.

1. Die Vicarie Auersmacher.
Bis gegen das Jahr 1769 wurde Auersmacher als Filiale von Groß—
blittersdorf von dieser Pfarrstelle aus durch einen Professen von Wad—
gassen pastoriert. Um diese Zeit aber erhielt Auersmacher einen eigenen
Vicar, der in der neugebauten Kirche den Gottesdienst abhielt und auch
im Orte seinen Wohnsitz nahm; er blieb aber dem Primiceriat in Groß—
blittersdorf unterstellt. 1759 war Fr. J. B. Steichen Vicar in Auers—
macher und Kleiublittersdorf; 1766 findet sich Fr. C. Busch residierender
Vicarius zu Auersmacher in den Akten des Klosters unterzeichnet. Man
hat die Behauptung ausgesprochen, Auersmacher sei schon sehr früh, etwa
im 8. Jahrhundert, Pfarrei gewesen, und damals habe es Kuchlingen ge—
heißen; allein „Cochling“ war noch im vorigen Jahrhundert, ebenso wie
Auersmacher und Kleinblittersdorf Filiale von Großblittersdorf. Als
solche erscheinen sie in dem Pouillé du Dioc. de Met- vom Jahre 1770.
Um diese Zeit wurde die sehr alte Kirche von Cochling auf Bilten der
Einwohner von Auersmacher und Kleinblittersdorf niedergelegt, und jedes
            
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