Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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D. Die Herrschaft Wadgassen.

Lisdorf und Ensdorf verwalteten die eigentlichen Angelegenheiten der
Gemeiunde, so geringfügig dieselben auch waren. In früheren Zeiten
ernannte der Aͤt, als Oberherr, Meyer und Gerichtsleute; gegen 1700
finden wir insoweit eine Abänderung, daß nämlich der vom Abt ernannte
Meyer die drei ersten Schöffen (Dehevins), den Gerichtsdiener (Sergent)
den Schützen und Förster für Lisdorf ernaunte, der erste Schöffen aber
die Schöffen und Gemeindediener für Ensdorf bestätigte. Meyer, Heim⸗
Meyer und Diener wurden jährlich neu ernannt, die Schöffen aber waren
lebenslänglich in Function, alle wurden vereidet und mußten schwören,
dem Könige und dem Abt treu und gehorsam zu sein.
Der Friede zu Ryswick 1697 gab zwar dem Herzog von Lothringen
sein Land zurück, allein die Herrschaft Lisdorf-Ensdorf blieb als im
Festungsrayon von Saarlouis gelegen unter französischer Oberherrschaft.
Alle Gerichtsverhandlungen und Jahrgerichte wurden in frauzösischer Sprache
geführt. Die Beamten des Gerichts waren mehrenteils Franzosen.
In Lisdorf wurde ein Gefängnis (Turm) erbaut, da die Verhafteten
nicht niehr nach Wadgassen ins Kloster gebracht werden durften, und gegen
1725 dafelbst ein Amtshaus Maison seigneurial oder euriale aufgeführt, wo
die Sitzungen und Jahrgedinge abgehalten wurden. In diesem Stande blieb
die Gerichtsverfassung bis zur Auflösung des Klosters Wadgassen, und ich
habe nur noch zu bemerken, daß der Vorsitzende des Amtsgerichts zu
Lisdorf sich bald Bailly ot haut-ossscier de l'Abbayo de Wadgnasseé,
bald Préevost de terres et Seigneuries de Lisdorf- Ensdorf et dépen—
dances, bald Juge-garde de sa terres Seigneuries de Lisdorf ete,
sodann Juge-garde eêt Gruyer und endlich wieder Bailly nannte — und
daß nach der Abtretung des Bannes von Wadgassen-Hostenbach ete. 1768
an Fraukreich, diese Baillefs das ganze in Fraukreich gelegene Territo—
rium der Abtei Wadgassen unter sich hatten.

k. Aus „Verfahren bei den Jahrgedingen.“
(Nach Koͤllner.)

Zum Beschluß will ich den wesentlichen Inhalt des letzten Plaid annaux
 von Lisdorf und Ensdorf vom Jahre 1772 geben und dem Leser
den Stand und die Verhältnisse in diesem Zeitraume kurz vor dem Zeit—
raum der französischen Revolution vor Augen führen:
Nach vorhergegangener dreimaliger Verkündigung von der Kanzel zur
Einberufung des Jahrgedings, wurden am 22. Dezember 1772, 10 Uhr
des Morgens im Herrenhause (Maison curiale ou seigneuriale) zu Wad⸗
gassen (man sollte meinen, es müsse Lisdorf heißen) die Verhandlungen
eröffnet. Vor Andreas Durable, Juge-garde de la terre et Seigneurie
de Lisdorf et Ensdorf et dépendavdeces erschien im Namen des Abts
Michel Stein, Prior und Convent des Klosters Wadgassen der Peter
Nicolas Oberlaender, Dépensier unter Beistand von Jeau Bapt. Ferot,
Procureur d'office besagter Herrschaft einerseite, und Meyer, Schöffen,
Syndikus und Einwohner der beiden Orte Lisdorf⸗Ensdorf andrerseits in
Gemäßheit der Ordonnanz des besagten Juge-garde vom 186n, worin er
            
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