Peinlicher Prozeß gegen Sondag von Chrichingen wegen Diebstahls ꝛzc. 361
mit einem Messer eröffnet, seye alsbald nach dem Elsässischen Kriege geschehen. —
Zum fünften hab Er, Bleß, David Hormann von Vinstingen, so in der Lippenstat
in Besatzung ist, und Georg Bust von Frauenburg dem Pastorn zu Liedechingen
bei Nacht in ein Baw gebrochen, sey Bleß mit einer Leiter zum Fenster eingestiegen,
daselbst Leine Tuch leder ein Reck pp gestohlen, vor ohngefehr 6 Jahren.
Dienstag den 15,25 Sept. 1618 um 7 Uhren Vormittag. Ist Sondag wie—
derum gütlich examiniert worden, des gestrig Bekentnuß, so ihme verstendlich wie—
derum vorgehalten und vorgelesen worden repetirt und ferner bekannt, daß Er zu
Bursingen mit Claussen von Entringen samt Wolfen, Philipps und Scheid, welche
drey in Holland gezogen, da er aus Italien kommen, aus Materns anstiften ein Keller
zröffnet und vier Kisten mit Gewalt ufgeschlagen daraus leine Getüch und zween
röck gestohlen und wein gesoffen, seye aber wieder restituirt worden, weilen die
Bauern nachgesetzt und Er sich in ein Wald verstecket, dann er könne sich unsichtbar
machen, es habe Ihuen sein Mumm zu Remingen Elsa Martins schwester zu Ne—
bingen lehren zaubern vor 14 Jahren, damit habe er zwei Stuck gebraucht. — —
Erstlich uf Genspach hab Er Osters Buben von Emmerschweiler ein Pferd durch ein
trank ermördert, welchen trauk sein Bas Els gemacht, seye ein blauer tranck gewesen,
hab ihne dem Pferd uff den Hals geschüttet, davon es alsbald gestorben, dies seye
diese Fasten geschehen, der Tranck stehe in der Elsen Haus zu Renningen unter der
staigen, Er seye uf einer Gabel dahin gefahren mit seinem Bulen, so hanns Bock
Cathrin geheißen, der Bul habe ihm viel gelt geben, seye gar jung gewesen, und
er habe sich zweymahl mit Ihme fleischlich vermengt. Freitags vor 8 Tagen hab
er zu Düppweiler einer Frauen, die ihm kein Brodt verkaufen wolt, mit ein trank
ein Kuhe ertodtet so roht gewesen in der nacht seye er in den Stall uff einer
Gabel gefahren.
Damit er sich könne unsichtbar machen, habe sein Bul, so nur ein fuß gehabt,
ihne dahin bewegt, daß er sich ihme zu gehorsamen unterworfen und Leib und Seel
berlobt, wäre auch sein Zeit bis künftigen Charfreytag auß, dan vor 11 Jahren er
bey Tag bei der Schäferei zu Leichingen ihme geschworen, der Buhl seye gar schön
kommen, hab Spitzhauben und ein gesteiftes Blau Kröeß getragen da haben sein
Willen mit ihm geschafft, hab sie nicht natürlich gefunden und seye so viel als nichts
gewesen. Das gantz Geld sey drey Metz blanken gewesen, das übrig lauter Mist
mill und Koht worden.
Habe dem Teufel geschworen und Gott verleugnet, welchen lieben Gott der Teu—
fel greulich genennet und gelestert, darzu ihm sein Mumm Elsa gestärckt und seye
3Jahr das ihne sein Mumm das Hexenrecht gelernet. Unsichtbar zu machen, habe
ihme sein Buhl ein blauen Rauch in die linke Hand geben, daß er bei den Bäu—
men und Hanbüchen seye unsichtbar gewesen und druf schwach worden, habs öfters
bei den Hecken gebraucht, sey der Buhl allezeit dabei gewesen habs aber im Haus
aicht vermöcht und sonderlich zu Seyweiler gebraucht.
Wann er zum Nachtmahl gegangen, hab er die Ostien nicht niesen können, son⸗
dern wieder ausgespeyet. Dieses alles ist ihme öfters repetirt, Er gestanden.
Testor: Johann Jakob Scheitffert, Notarius und in dieser Sachen ordentlicher
Gerichtsschreiber.
Actum Spurck am 25. Sept. anno 1618.
In Peinlichen Executions Sachen Sondag von Crichingen verfahren worden in
Massen hernach folget.