Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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D. Die Herrschaft Wadgassen.

Welt meist aus Unkenntnis oder bösem Willen über eine frühere Kloster—
herrschaft lästert: es mag vielmehr von größerer Wichtigkeit sein, zu er—
forschen, wie die damalige Bevölkerung dazu dachte. In vermeintlicher
Weisheit des letzten Tages befaugen ift freilich mancher unfähig, andere
Zeiten zu begreifen.
Auch das Kloster Wadgassen hatte seine Besitzungen rechtmäßig erwor—
ben, mit deren Besitz es auch große Verpflichtungen übernommen hatte. Die
Güter wurden gut verwaltet, die Einkünfte nicht verschwendet, sondern
zu gemeinnützigen Zwecken, zu Bauten und Renanschaffungen verwendet.
Die Chronik berichtet aber auch von großen Verlusten, welche die Abtei
gehabt, viele Güter wurden ihr geraubt, andere mußte sie verkaufen, um
in Zeiten der Not sich aus Geldverlegenheiten zu retten. Ofters mußten
größere Anleihen gemacht werden. Ein ganzes Jahrhuudert hindurch be—
fand sich das Kloster im größten Elend. Große Aufwendungen erforderte
die Wiederaufführung der Klostergebäude, die Unterhaltung und die Neu—
bauten so vieler Kirchen. Größere Summen erforderten die fortlaufenden
Ausgaben für die Haushaltung, die Verwaltung, die Seelsorge, die Schule,
das Kranken-, Armen- und Hospitalhaus, für die öffentliche Armenunter—
stützung u. dagl.
Die Abtei Wadgassen bildete eine Herrschaft, wie es deren — welt—
liche und geistliche — viele gab oder besser gesagt, nur gab, denn alles
Eigentum an Grund und Boden gehörte nur größeren Grundherren, welche
damit auch die Herrschaft über die Unterthanen, welche zu dem Gute des—
selben gehörten, mit besaßen. Die Herrschaft Wadgassen bildete also durch—
aus keinen Ausuahmezustand, sondern war geschichtlich gleichberechtigt mit den
andern Herrschaften, denn sie entstand durch die Begünstigung und den Willen
des Adels und des Volkes und war ein Bedürfnis sowie ein Kind ihrer Zeit.
Die Bevölkerung mußte sich übrigens in der Herrschaft Wadgassen
sehr wohl befunden haben, denn diese konnte ihren Unterthanen durch Bildung
und Kultur Vorteile verschaffen, wozu die weltlichen Herrschaften, wenig—
stens in den ältesten Jahrhunderten, noch gänzlich außer Stande waren.
Wenn man der Kirche nachrühmt, daß sie das Los der Leibeigenen mit
der Zeit zu lindern verstand, so ist vom Kloster Wadgassen erst recht an—
zunehmen, baß es die Härten der Frondienste zu mildern und dieselben auf
ein rechtes Maß zu beschränken wußte, während dagegen viele weltliche
Herrschaften solche Leibesdienste oft willkürlich und ungemessen von ihren
Unterthanen forderten.
In der Herrschaft Wadgassen lag die Verwaltlung in festen, sicheren
Händen, woraus weiter zu folgern ist, daß die Unterthanen sowohl hin—
sichtlich ihres Eigentums als auch der Person sich der größten Sicherheit
und des besten Schutzes erfreuen kounten. Aus den mancherlei Prozessen
auf ein ungünstiges Verhältnis zwischen Herrschaft und Unterthanen schlicßen
zu sollen, dürfte, mit Rücksicht auf die eigenartigen Verhältnisse und die
Beschränktheit der der Herrschaft zugebote stehenden Mittel, den hier wie
allerwärts immer stärker hervortretenden Anmaßungen der Uuterthanen
wirkungsvoll und doch mit Nachsicht zu begegnen, gewagt erscheinen. Dem
Kloster standen nur geistige Waffen zur Verfügung, die Ordnung in
seinem Territorium aufrecht zu erhalten, und selbst bei Ausübung der
Gerichtsbarkeit entbehrte man des bewaffneten Beistandes des Saarbrücker
            
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