Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Vorgeschichte

diesem oft erwähnten Namen, der nur unter Christen entstanden sein
konnte (denn die Heiden nannten ihre Götter nicht selbst Gößtzen), bezeich—
neten dieselben ohne Zweifel in erster Linie den ganzen, früher dem Wo—
dan geheiligten Wald, vielleicht so auch die Stätte, wo dem Kriegsgotte
geopfert worden war; endlich mußte diese Bezeichnung dann auch über—
gehen auf das staatliche Hofgut, sowie auf das Hauptgebäude, welches
darauf errichtet wurde. Demnach sprechen die Umstände mehr dafür, daß
die villa regia zu Wadgassen erst nach der Völkerwanderung, aber doch
in der ersten alemannischen Zeit wird entstanden sein.
Der Grund und Voden des von den Franken in Gallien eroberten
Landes wurde zwischen die fränlischen Heerführer und die freien Franken
geteilt. Die großen Wälder, Äcker und Weinberge, welche zu den größern
Ortschaften und festen Plätzen gehörten, wurden Eigentum des Königs,
der alles übrige unter seine Mannen nach deren Rang und Verdienst ver—
teilte. Auf vielen der koͤniglichen Domänen wurden, wenn solche nicht
schon vorhanden waren, Aufenthalte für die Könige erbaut, und von die—
sen Schlössern oder Königspfalzen erhielt das gauze zugehörige Besitztum
den Namen Königshof, wie es deren außer Wadgassen noch mehrere im
trierischen Lande gab. Hier pflegten die Könige auf ihren Reisen durch
die Provinzen zu verweilen, um so durch ihre Gegenwart öffentliche Ord—
nung und Gerechtigkeit überall möglichst gleichmäßig zu handhaben und
sonstige Reichsgeschäfte zu erledigen. Meistens aber dienten sie den
Herrschern als Sommeraufenthalt, wo sie sich der Stille des Landlebens,
des Fischfanges und der Jagd erfreuen und von den Strapazen der
Kämpfe und der Regierungssorgen ausruhen kounten. Die vorhandenen
Gebäude mußten geräumig und zahlreich genng sein, um die königliche
Familie und des Königs Hofstaat aufnehmen zu können. Außerdem ver—
kehrten hier geistliche und weltliche Würdenträger und Gesandten.“ Schloß
und Hofgut ftanden unter der Verwaltung eines Vogtgrafen oder Meyers,
welcher einen Teil des Hofgutes an eigene Leute verlassen, einen andern
Teil durch jene Leibeigenen selbst bewirtschaften ließ und aus dem Ertrage
der eigenen Wirtschaft, sowie aus den Abgaben der Unterthanen die Be—
dürfnisse des Hofhaushaltes zu bestreiten hatte.
Hören wir jetzt, was die Urkunden über den Königshof Wadgassen
berichten.
Die Gesta Trevirorum J. 73 enthalten die interessante Mitteilung:
„Nach vielen Streitigkeiten und Wirren und Plündernugen der Kirchen
zur Zeit Karl Martells und des von ihm beschützten Milo (Bischof von
Trier 713 —753) . . .“ heißt es weiter: „Auch der Markt, welcher vor
dem mittleren Thor abgehalten wurde und durch den starken Besuch aus
der Provinz überaus lebhaft und berühmt war, wurde, als unter den
Bürgern und Kaufleuten ein schwer Streit ausgebrochen war, von hier
nach“' Wadgassen (Vadgasatiam) verlegt. — Nota: (Wasgasziam, Wa—
gasiram, Wagalasiam.) Vielleicht ist es die auf der Karte verzeichnete
rina Wadegorzinga in der Nähe der Saar, dort wo später die Abtei
Wadgassen stand.“
RNeuere Geschichtsforscher wollen diese Behanptuug nicht als richtig
aunehmen, indem sie geltend machen, als sei der Plaßtz nicht groß genug
dewefsen, anem solchen Unternehmen zu dienen. Dem gegenüber muß aber
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.