Full text: Geschichte der Abtei Wadgassen

Das königliche Dorf Wadgassen. 
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schwachen Könige die ganze Monarchie beherrschen konnte. „Dem Könige“, 
sagt Eginhard im Anfange seiner vita Caroli Magni, „blieb nichts, als 
auf den Königstitel beschräukt, mit unverschnittenen Haar und langwal— 
lendem Bart auf dem Throne zu sitzen und so den Schein des Herrschers 
zu erheucheln, den aunkommenden Gesandten Audienz zu gewähren und bei 
ihrem Abschiede auswendig gelernte oder vorgesprochene Bescheide zu er— 
teilen. Denn außer seinem nutzlosen Königstitel und einem von fremder 
(Gnade abhäungigen Lebensunterhalt, wie ihn der Haushofmeister nach Gut— 
dünken gewährte, besaß er nichts anderes zu eigen als ein einziges Land— 
gut, noch dazu von sehr geringem Ertrage, auf welchem er wohnte und 
von dem er seine zahlreiche Dienerschast nahm. Überall, wohin er sich 
begeben mußte, erschien er auf einem Wagen, der von zwei Rindern ge⸗ 
zogen und von einem Treiber nach Bauernart gelenkt wurde. So begab 
r sich regelmäßig zum Palaste, so zur öffentlichen Versammlung seines 
Volkes, welche alljährlich abgehalten wurde, so kehrte er auch wieder heim. 
Aber die Reichsverwaltung und alles, was an innern und äußeren Ge— 
schäften abzumachen und zu ordnen war, besorgte der Hanshofmeister.“ 
Außerlich unterschied sich der König wenig von den übrigen Freien; seine 
Wohnung war einfach und schmucklos; Krone und Scepter waren un— 
befannt: lang herabwallendes Haar, ein Siegelring, eine altdentsche 
Lanze und später ein Schwert bildeten die Symbole der königlichen 
Würde. (Dr. Nitel.) 
Die fränkischen Könige aus dem Hause Karls des Großen schafften 
nun zwar das gefährliche Amt eines Major domus ab und leiteten eine 
Jenauere Kontrolle in der Provinzial-Verwaltung ein, indem sie königliche 
Gesandte (Missi) einsetzten, welche die Provinzen bereisten und ihr Auf— 
sichtsrecht durch Berufung von Landtagen (Placita) ausübten. Zu diesem 
Ende hatten sie an verschiedenen Orten Paläste (palatia) auch Königshöfe 
(villas rogiae) genannt, welche später oft zur Gründung oder Ausstättung 
von Kirchen und Klöstern hergegeben wurden. 
7. Das königliche Dorf Wadgassen. 
Aus verschiedenen Urkunden erfahren wir, daß sich auch in Wad— 
dassen ein Königshof befand. Ueber seine Entstehung ist nichts überliefert, 
auch keine Spur von jenen Vanwerken ist erhalten geblieben; nur der Name 
lebt noch in einigen Urkunden, in denen von einer villa regia zu Wuade- 
goz/ingen die Rede ist. Nehmen wir an, was übrigens sehr wahrschein— 
lich ist, daß, wie schon erwähnt, in den vormals dichten Waldungen zu 
Wadgassen die Druiden ihre Wohnungen aufgeschlagen und ihre Opfer 
darbrachten, bis sie zu Kaiser Claudius Zeiten (11554.11. Chr.) daraus 
verdrängt wurden, dann dürfen wir auch vermuten, daß der große Druiden— 
hain zunächst eine römische Staatsdomäue wurde. Die Nähe einer bedeu— 
enden römischen Ansiedelung, wie Bous, und der verkehrsreichen Römer— 
straße nach Kreutzwald macht es ferner wahrscheinlich, daß schon die Römer 
zur besseren Nußzbarmachung des Wadgasser Gebietes hierselbst ein Land— 
oder Hofgut mit den nötigen Gebäuden anlegten. Der sonderbare, nur 
wenig lateinische Name, setzt die Existenz eines solchen Ortes, ja sogar 
die genaue Kenntnis eines bestimmten Punktes unbedingt voraus. Mit
	        
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