Full text: Geschichte der Abtei Wadgassen

Völkerwanderung. 
Sueven selbst ins Land; sie plünderten und verheerken unsere Gegend im 
Jahre 497. — (Briesen S. 12.) 
Da die Pachtener Münzen mit Arcadius aufhören, so ist es wohl ohne 
Zweifel, daß einzelne Schwärme des großen Zuges der Vandalen, Sueven 
und Alanen, welche der Vandalenkönig Chrocns im Januar des Jahres 
107 nach der Eroberung und Zerstörung von Mainz gegen Metz führte, 
iber Tholey her, teils nach der Straße über Aussen, teils nach der über 
Schwarzenholz-(Bous-Wadgassen) und vielleicht auch auf der Mitte, die 
Thel und Prims herab, die Gegend verheert haben. Auch die Tholeyer 
Münzen deuten darauf. Dem Chrocns hatte seine Mutter den Rat ge— 
geben: „Wenn du etwas Neues machen und dir einen Namen erwerben 
villst, so zerstöre alles, was andere gebaut haben, und töte alles Volk, 
das du überwindest, denn bessere Gebäude könntest du nicht aufführen als 
deine Vorgänger, noch eine größere That verrichten, wodurch du dir einen 
Ramen machen könntest.“ 
Dieser fürchterliche Ret wurde in unserer Gegend getreu befolgt. 
Alle Häuser wurden durch Brand zerstört, denn allenthalben Asche, Kohlen 
und Scherben. Die gläsernen Gefäße und das Geld schmolzen. Eine 
Plünderung scheint meistens vorausgegangen zu sein. Wenige Menschen 
blieben übrig, denn die Wohnungen wurden nicht wieder gebaut, und Dinge, 
die für Überlebende Wert genug hatten, blieben unersucht, wenn sie auch 
nur wenig mit Schutt bedeckt waren, so der bleierne Wasserbehälter bei 
Pachten und ganze Krämermagazine im Varnswalde. Gebrochene Speere, 
Zeugen des Kampfes, liegen auf den Straßen, die nachher durch den 
Ilugsand verdeckt wurden. Die Horden konnten sich auf der Niedstraße 
und den Straßen hinter Wallerfangen und Bous mit der gewiß über 
den Herapel (Forbach) ziehenden Hauptmasse vereinigen. Sie zerstörten 
Metz, nachher Trier und verbreiteten sich dann verwüstend über ganz 
Gallien. (Schmitt.) 
Zwar wurden fie von dem in Britannien zum Kaiser ausgerufenen 
Feldherrn Constantinus wieder vertrieben; aber gegen diesen erhob sich 
des Honorius Feldherr, Aelius Constantius, und nimmt ihn gefangen 411. 
Unterdessen dringen aundere deutsche Völkerschaften, die Franken und Ale— 
mannen ungehindert in die Trier'schen Lande, plündern, zerstören und 
brennen alles nieder. Das geschah in Trier im Jahre 411 zweimal. 
Unter Theodosius II., dem Nachfolger des Honorius, säuberte dessen 
Feldherr Aëtius das Laud noch einmal von den eingedrungenen Barbaren. 
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und führte endlich 440 Trier ganz unter römische Herrschaft zurück. Nun 
genoß das Land einige Jahre der Ruhe. (Briesen S. 12.) 
Wie es nach so langen verheerenden Kriegen und räuberischen Ein— 
fällen in unserem Lande ausgesehen, davon gibt uns ein Augenzeuge trau— 
rige Kunde. Mit bittern Worten schreibt Salvian: „Man spielt nicht 
mehr in der Stadt Mainz, weil sie zerstört und vernichtet ist, nicht mehr 
in Köln, denn es ist von Feinden voll, nicht mehr in der berühmten Stadt 
Trier, denn sie liegt durch eine viermalige Zerstörung in Trümmern. 
Wer bei der Zerstörung dem Tode entronnen war, überlebte nach der— 
selben das Elend nicht; die einen starben durch zu tief eingedrungene 
Wunden eines langsamen Todes, andere, die das Feuer der Feinde an—
	        
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