Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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O. Chronik der Abtei Wadgassen.

Gebeine der Mte Schmitt und Stein nebst solchen Insignien, die nur der
Prälatenwürde zukamen: in jeder Grabstätte ein Hirtenstab, Mitra, Stola,
seidene Handschuhe, Fußbekleidung; welche Reste darauf schließen ließen,
daß die Beerdigungsparamente künstlich und kostbar mußten gewirkt sein.
Auf das Gerücht dieser Herausgrabung strömte bald eine zahlreiche Men—
schenmenge zusammen, in deren Gegenwart augenscheinlich festgestellt wurde,
daß vom Kopfe des einen Prälaten die Schädeldecke abgesägt und nur
lose beigefügt war. Diese Erscheinung wurde auf eine Obduction des
Prälaten Schmitt zurückgeführt, deren sich die älteren Leute noch wohl
erinnerten. Darauf wurde alles, was sich von den Resten an Gebeinen
und Paramenten vorfand, auf geziemende Weise in einen neuen Sarg auf—
gesammelt und von Herrn Pastor Lenther unter Assistenz der Pfarrer
von Völklingen und Püttlingen auf den Kirchhof Wadgassen überführt —
am 5. October 1847.

Abt Jean Baptiste Bordier 1784-1792.

Abt Bordier ist der unmittelbare Nachfolger des Abtes Schmidt.
Am 25. Juli 1785 (7) wurde er von dem Ordensgeneral Fr. L. Eruny,
Abt von Premontré benedicirt, worüber der Erzbischof von Trier Be—
schwerde erhob, und behauptete, daß nur ihm das Recht der Benediction
in seiner Diöcese zustehe. Da dieses Recht in der Stiftungsurkunde dem
Erzbischofe von Trier reserviert war, so erhob der damalige Weihbischof
v. Herbain Remonstration und hat den Fall der Congregation des Concils
von Trient zur Entscheidung vorgetragen. Bevor aber noch eine Ent—
scheiduug von Rom eingelaufen war, hat der Abt von Prämonstrat schrift—
lich das Recht des Erzbischofs anerkannt und um nachträgliche Genehmigung
des von ihm unbefugt vorgenommenen Benedictiousactes gebeten. Der
Eingriff des Generalabtes ift auf den Umstand zurückzuführen, daß ihm
in allen französischen Klöstern seines Ordens das Recht der Abtseinsegnung
zustand und dieses Recht auch auf Wadgassen ausdehnen wollte, nachdem
dieses Kloster unter Frankreich gekommen war.
Der König Ludwig XVI. hatte, wie das sonst in Fraukreich häufig
Gebrauch war, mehrere Pensionen für französische Geistlichen auf die Ein—
künfte des Klosters Wadgassen angewiesen. Auf die von dem Abte er—
hobene Vorstellung wurden diese Bewilligungen aber am 15. October 1785
von dem Staatsrate auf Befehl des Königs zurückgenommen. — Der
Abt Dom Bordier beschloß die Reihe der Äbte in Wadgassen, da unter
ihm die französische Revolution ausbrach, wodurch das Kloster zur Auf—
löͤsung kam. Wir werden später Gelegenheit finden, darüber im Zusammen—
hang mit der Geschichte ausführlicher zu berichten. Hier wollen wir mir
auf die wesentlichsten Ereignisse hinweisen, unter denen die Abtei ihren
Untergang fand.
In der Nacht vom 3. auf den 4. August 1789 wird in Fraut—
reich der Feudalismus aufgehoben, wodurch das Unterthanenverhältnis
mit der Zehntabgaben- und Frohnpflicht, wie überall, so auch in Wadgafsen
aufhörte.
Durch Dekret vom 2. December 1789 wurden die Klöster aufgeboben
und die Güter derselben zur Disposition des Staates gestellt.
            
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