Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

O. Chronik der Abtei Wadgassen

Alexander Rohr — 8. Der neue Abt wird bald darauf vom Generalvikar
der Prämonstratenser bestätigt (16. Dezember) und von Trier benediciert
am 27. April 1572.
Der Herzog Carl von Lothringen befürchtete, die Grafen von Saar—
brücken möchten sich des Klosters bemächtigen, darum suchte er als ein
eifriger Verteidiger der katholischen Kirche das Kloster unter seine Laudes—
—
macht seinem Namen wenig Ehre. Zunächst hatte er befohlen, daß kein
Ausländer in Lothringen ein Beneficium (pPfründe) haben sollte; deshalb
willigte er nicht in die Wahl des Adam Werbel.
Schon am 6. Dezember, bevor noch von Saarbrücken jemand da ist,
kommen lothringische Bewaffnete aus Wallerfangen und besetzen das ganze
Kloster. Ihnen folgen noch 3 Centurien, umgeben Wadgafsen mit Wällen
und Gräben, stellen Kanonen auf, um es gegen jeden Angriff zu verteidigen
„so auch gegen Lutherprediger (Rassau-Saarbrücken) geschützt.“
I571 dez. 20. In Vigilia Thomae, welcher war der Zuste Tag Decemhbris.
seynd mit Nahmen Christoffel von Haußen, Lothringischer Amtnann uff Siersberg,
Dieterich Schmalriem, Berg Richler zu Walderfangen, und Hanuß Bockhemer, Fürst—
licher Geleitsmann daselbst, und wie sie vorgeben haben, als Fürstliche Lotharingische
Befelchhaber, sammt ungefährlich bei Vierzig Mitbürger von Walderfangen, zwischen
sechs und sieben Uhren Vormittags mit großer Ungestümmigkeit und Gewalt über
die Mauren zu Wadgassen ohne einige vorhin Auforderung, noch Nachbarliches An—
sprechen eingefallen, alle Thüren, so nicht offen waren, mit großer Gewalt, Muth—
willen und Zimmer Aexen zerschlagen, und die Gemächer eröffnet, und insonderheit
aber mein Kammer und Stüblein, darin etliche versiegelte Brieff auf einem kleinen
Tischlein gelegen, welche der Berg-Richter in der Eil erwischet, zu sich genommen,
und in seinen Bußen gestochen und gesagt, die hab ich den rechten in meinem Bußen;
wie er dann auch uff mein darnach fragen vor mir und vielen anderen Bürgern
bekennt und gesprochen: ich hab die Brieff genommen, und wann nur mehr dage—
wesen wären, ich wollte sie all zu mir genommen haben.
Als sie nun ihren Muthwillen mit Innehmung des Klosters vollbracht, haben
sie uns zusammen erfordert, mit Anzeigung, sie haben was mit uns im Rahmen und
von wegen Fürstlicher Durchlanchtigkeit in Lotharingen zu reden ec. darauff der Berg—
Richter einen Brief, uff Welsch, seines Inhal!s uns vorgelesen, darnach dem Herrn
Dechant zu Bischoffs Homburg (welcher sonst in andern meinen Geschäfften da war)
gegeben, denselben uff teutsch auszureden, doch alßbald aus des Dechants Hand wie—
derum zu sich genommen, und angefangen, vermög seines Vefehls Ihrer Fürstl.
Durchl. Befehl sey, daß der Prior sant dem GCouvent alßbald einen andern Abt
erwehlen solten, der unter Ihrer Fürstl. Durchl. hoher Lands-Fürstlicher Ohrigkeit
gebohren sey, denn dieser erwehlte Abt sey nicht unter Ihrer Fürsil. Durchl. Obrig—
keit, sondern unler ciner andern Herrschaft gebohren, welches Ihrer Fürstl. Durchl—
außgegangenen Edict entgegen und zuwider beschehen; Daneben auch begehren sie,
daß man die Fundation samt allen unsern, und des Klosters Privilegien in Originali
auflegen und ihnen handreichen sollen ꝛc.
Diesemnach seynd diese drey nachfolgende Puncten in Welscher Sprachen Sup
plication-Weiß zu verfertigen, und Ihre Fürstl. Durchl. durch den Ehren)afften
Jacoben de Bay Controllen zu Metzerbolchen zu praesentiren befohlen worden, wie—
wohl ich derselbigen Supplication Copey auch nicht bekommen kunte.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.