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Die „Patrioten“ und der Handwerkerverein
„Zwei lange Artikel, der eine in der „Saarbr. Ztg.“, der andere
im „Generalanz.“, als „Eingesandt“ gegen den Pfarrer Nanmann gerichtet,
und eine lange Rechtfertigung des Vorstandes des Haudwerkervereins, dem
zientlich unverblümt der Vorwurf gemacht wird, Leute als Redner zu enga—
gieren, welche den sozialen Frieden zu stören geeignet sind, bieten gegen—
wärtig ein nicht geringes Interesse. Wir haben über den Naumann'schen
Vortrag ausführlich referiert und die etwa tausend Zuhörer im Handwerker—
berein werden noch viel mehr als die Leser des Referats den Eindruck
gehabt haben, in welch wirksamer Weise und in welch schreiendsten Gegen—
satz zur Sozialdemokratie Herr Pfarrer Naumann die Notwendigkeit der
Ehe dargethan, wie er ferner überzeugend nachgewiesen hat, daß ein ge—
sundes und nationales Völkerdasein nur denkbar ist auf dem sichern Boden
der Familie. Damit ist der Redner „konservativ“ im besten Sinne des
Wortes. Ganz auffallend muß es deshalb erscheinen, daß man dem Pfarrer
Naumann mit Gewalt das sozialdemokratische rote Röckelchen umhängen
will. Und warum? Weil demselben manche wirtschaftliche Einrichtung ver—
besserungsfähig erscheint. Wenn jeder Mensch ein Sozialdemokrat sein soll,
der jene Anschauung ebenfalls vertritt, dann müßte man sehr hoch hinauf—
gehen, um die Zahl der Sozialdemokraten zu vervollständigen. Wir halten
ein solches Gebahren geradezu für einen Unfug und für nicht minder—
gefährlich, als ein Spiel mit dem Feuer. Denn nehmen wir an: die vielen
Zuhörer des Pfarrer Naumann sind von der Wahrheit seiner Worte, wie
er sie im Handwerkerverein gesprochen, durchaus überzeugt — sie halten
ihn überhaupt für einen höchsittlichen Menschen, müssen viele von den Zu—
hörern dann nicht zu der Ansicht kommen, daß der „Sozialdemokrat“
Naumann recht hat, trotzdem er — natürlich nur nach der Version der
Artikelschreiber — einer ist? Unser Blatt ist nicht „christlich-sozial“, wir
erkennen alle Parteiungen nur als eine Art politischen Notbehelfs an, uns
derühren aber die Bestrebungen des Pfarrers Naumann insofern sympathisch,
als er auf dem Boden der wahren Lehre Christi zu stehen scheint, die da
lautet: „Habet die Brüder lieb? — also auf dem Boden der Humanität
und Liberalität, und weil er ferner bestrebt ist, die Gegensätze von heute,
die infolge der immer noch geltenden manchesterlichen Theorien so schroff
und bedenklich wie nur möglich geworden sind, zu beheben und zu über—
brücken. Das ist nach unserer Auffassung recht patriotisch gehandelst. Wer
heute jedes soziale Denken und Streben unterdrücken will, der verstest die
Zeit nicht, die doch wahrlich laut genug an die Thore der Meuschheit pocht
und versteht auch nicht die Wahrung seiner eigensten Interessen.“
Die „Patrioten“ blieben, worauf sie wohl nicht gerechnet
hatten, ohne jede direkte Unterstützung in den hiefigen Zeitungen.
Sie ergriffen selbst in der „Saarbr. Zig.“ am 7. November noch
einmal zu einer kurzen Erwiderung das Wort, um wieder dem
Gedanken Ausdruck zu geben, daß man „sozialistischen Hetzer die
Thüre von vornherein verschließen müsse.“ Der wefentlichste Teil