Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

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Die „Patrioten“ und der Handwerkerverein

trauen zu verlieren, wenn wir nicht sachtiche, sondern persönliche Momente
bei unserer Wirksamkeit entscheiden ließen? Selbstverständlich ist damit nicht
ausgeschlossen, daß wir die Stimmung und Ansichten im Vereine, die
zu unserer Kenntnis kommen, sorgfältig in Erwägung ziehen. Was nun
aber das weil anbelangt, so muß diese Begründung zum mindesten als
eine nicht entschuldbare Unkenntnis bezeichnet werden. Denn ausdrücklich
hat seinerzeit vor Beginn des Waguer'schen Vortrages der Vorsitzende im
Namen des Vorstandes eine bestimmte Erklärung abgegeben und am
andern Tage wörtlich in der Presse veröffentlichen lassen. (Siehe Erklärung
auf Seite 74 und 75.)

Daß diese Erklärung der innersten Ueberzeugung des gesamten Vor—
standes entsprungen war, dafür liegen eine Reihe von Thatsachen vor, die
einem Teil unserer Mitglieder bekannt sind und die wir, wenn nötig, ver—
öffentlichen können. Für uns kam nur der Mann der Wissenschaft inbe—
tracht, der bedeutende Gelehrte, dem jetzt die erste Universität Deutschlands
die höchste Würde eines Gelehrten übertragen hat. Daß die Herren Ein—
sender jetzt nach einem halben Jahre trotz jener Erklärung den Mut ge—
funden haben, der Berufung eine völlig falsche Deutung zu geben, das zu
beurteilen überlassen wir unseren Mitgliedern. Fragen aber möchten wir
auch hier, durch welche Stelle des Wagner'schen Vortrages Unfriede gesäet
oder das „gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern“
gestört worden ist?

Frau Gnauck-Kühne wird in der That, das sei hiermit jedermann
verkündet, do ven —14. November in unserm Verein einen Vortrag
über die Stellung der Frauen in der Gegenwart halten. Ob es ihr ge⸗
lingen wird, unsere zahlreichen Mitglieder, die wohl alle gewohnt sind,
selbständig zu denken und ihre Ansichten nicht von einem Vortrage zum
andern zu wechseln, in das sozialdemokratische Fahrwasser zu führen, das
wollen wir ruhig der Zukunft überlassen. Bis jetzt liegt trotz der in dem
Artikel mitgeteilten Verse nicht der geringste Grund vor, gruselich zu wer—
den, haben doch bei dem Vortrage, den Frau Gnanck-Kühne in Erfurt ge—
halten hat, die zahlreich erschienenen Superintendenten, Regierungs- und
Oberregierungsräte, Konsistorial- und Oberkonsistorialräte, Rektoren, Pro—
fessoren, Schuldirektoren, Präsidenten, höhere Offiziere und andere vor—
urteilsfreie Männer keinen Anstoß an ihrer Gefsinnung genommen, ihr viel—
mehr lebhaft gedankt für ihre meisterhaften Ausführungen. Sollte es
wirklich in Saarbrücken gefährlich sein, diese Dame zu hören? Wir haben
uns bei ihrer Berufung von der Erwägung leiten lassen, daß wir den
Damen unserer Mitglieder gegenüber, die so eifrig und aufmerksam die
Vorträge besuchen, die Verpflichtung haben, auch einer hervorragenden
Vertreterin ihres Geschlechts das Wort zu geben und dann natürlich in
einer Frage, die in erster Linie auch die Frauen interessiert. Nach schrift—
lichen und mündlichen Berichten ist Frau Gnauck-Kühne eine Dame von
vornehmster Gesinnung, edler Herzens- und hoher Geistesbildung, weder
mit sozialdemokratischen Agitatorinnen noch mit schöngeistigen Litteratinnen
            
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