Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

Die „Patrioten“ und der Handwerkerverein.

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Der Vorstand ließ es an einer entschiedenen Zurückweisung
des Angriffs nicht fehlen. Die Antwort, die in der Vorstands—
sitzung vom 3. November einstimmig angenommen und am
nächsten Tage in der „Saarbr. Ztg.“ veröffentlicht wurde, lautete,
nach Weglafsung der einleitenden Worte, worin auch die Nachricht,
der Vorstand wolle Hofprediger Stöcker einladen, als Irrtum be—
zeichnet wurde, wie folgt:
„Pfarrer Naumann haben wir in unserem Verein ebensowenig
als Christlich-Sozialen sprechen lassen, wie Oncken als Nationalliberalen,
Emil Rittershaus als Freimaurer oder in früheren Zeiten Karl Vogt
und Büchner als Gegner der Religion. Mit seiner Berufung hat es
folgende Bewandtnis: Der Vorstand hatte Pfarrer Naumann nicht auf
die Rednerliste gesetzt. Erst nachdem in der Hauptversammlung vom
17. Juni der Antrag eines dem Vorstande nicht angehörenden Mitgliedes:
Pfarrer Naumann auch in diesem Winter wieder zu berufen, einstimmig
angenommen worden war, erging an ihn die Einladung zu einem Vortrage.
Daß diese im Sinne der größeren Mehrheit unserer Mitglieder war und
auch im Interesse unseres Vereines lag, hat der zahlreiche Besuch jenes
Vortrages, der lebhafte, allgemeine Beifall und der beträchtliche Zuwachs
von 35 neuen Mitgliedern, der allein am Tage der Versammlung erfolgte,
deutlich bewiesen. Der Vortrag hat durchaus nichts Bedenkliches enthalten,
er war vielmehr voll von beherzigenswerten, tief sittlichen und religiösen
Wahrheiten; das ist von allen Seiten, selbst von —DD
Ansichten von Naumann nicht teilen, lebhaft anerkannt worden. Wir
könnten in dieser Beziehung sehr angesehene Personen nennen. Auch die
„Saarbrücker Zeitung“ hat ausdrücklich erklärt, „daß der Vortrag allen
rechtlich denkenden Menschen aus dem Herzen gesprochen war.“ Niemals
ist vielleicht schürfer die sozialdemokratische Theorie von der Ehe bekämpft,
niemals vielleicht so wirkungsvoll für das hohe Gut der Familie eingetreten
worden, als in dem Vortrage von Naumann. Wo ist also in diesem Falle
der „Unfriede“, wo die „Verhetzung“, die der Artikel dem Vorstande zur
Last legt? Behauptungen sind wohlfeil, auf die Beweise kommt es an.
Zum Falle Wagner schreiben die Herren „Patrioten“: „Bekannt
ist es weiter, daß dieser Verein es sich nicht versagt hat, im Frühjahr dieses
Jahres den Kathedersozialisten Professor Adolf Wagner von Berlin hierher
kommen zu lassen, obgleich, oder wohl besser: weil dieser einen ernsten
Streit mit dem größten Privatindustriellen des Saargebietes gehabt hat.“
Wir legen zunächst den Finger auf das obgleich, mit dem doch deutlich
dem Verein die Verpflichtung zugemutet wird, bei der Auswahl der Redner
weniger auf die rednerische Begabung, den anerkannten Ruf und die Ge⸗
lehrsamkeit zu achten, als auf die Beziehung des Redners zu Privatpersonen,
die dem Vereine fernstehen. Glauben denn die Einsender wirklich, daß ein
solches von ihnen gewünschtes Verhalten des Vorstandes im Sinne unserer
Mitglieder wäre? Müßten wir nicht befürchten, alles in uns geseßte Ver—
            
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