Erklärung.
Die unterzeichneten evangelischen Geistlichen in der Synode
Saarbrücken haben weder den Beruf noch die Absicht, sich in den
Streit der politischen Parteien einzumischen. Sie fühlen sich jedoch
verpflichtet, ihrem Widerspruch gegen diejenige Auffassung des
Christentums und gegen diejenige Beurteilung der Christ—
lich-Sozialen Ausdruck zu geben, welche in dem für die Haltung
der „Neuen Saarbrücker Zeitung“ maßgebenden Artikel vom 11. Fe—
bruar d. Is. niedergelegt ist.
1. Als „wahres“ Christentum wird in dem genannten Artikel
„der Gehorsam gegen den Höchsten und gegen das menschliche Ge—
setz', „die Nächstenliebe ohne das Gewaltmittel des revolutionären
Totschlags“, das Versprechen der ewigen Seligkeit „für irdischen
Schmerz, irdische Not, irdische Trübsal und Mühsal“ bezeichnet. Es
wird auf den Spruch Bezug genommen: „Mein Reich ist nicht von
dieser Welt“ in dem Sinne, daß das Christentum, „das hoch über
allem Menschlichen schwebende leuchtende Gestirn der ewigen
Versöhnung, des ewigen Friedens, des Trostes, des geistigen Sich—
erhebens sei.“ — Diese Auffassung des Christentums geht nicht
über den Standpunkt der sogenannten Aufklärung des vorigen Jahr—
hunderts hinaus, die den Gesamtinhalt desselben auf die drei Ideen:
Gott, Tugend, Unsterblichkeit, beschränkte. Die evangelische
Lehre dagegen bekennt sich nicht zu einem weltfernen „Höchsten“,
sondern zu dem lebendigen Gott, der sich in Christus als Vater
offenbart. Sie faßt den Glauben nicht als bloße Lehre, sondern
als eine Kraft, welche ihre Quelle in der ewigen Liebe Gottes hat
und sich nicht etwa in bloßer Vermeidung des „revolutionären
Totschlags“, sondern in allseitiger Bethätigung der christlichen Sitt—
lichkeit, insbesondere der Bruderliebe, bewährt. Sie verkündigt der
Seelen Seligkeit nicht als Entschädigung für Not und Trübsal, son—