Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

Die „Patrioten“ und der Handwerkerverein.

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Gefahr nahe, daß der Einladung eine ganz falsche Deutung gegeben
würde und daher könne sie dem Vorstande nicht empfohlen werden.
Als nun kurze Zeit darauf dasselbe Ersuchen, unterstützt durch
mehrere andere Mitglieder, beim Vorstande schriftlich wiederholt
wurde, da hat der Vorsitzende sowohl gegen die damalige Berufung
Wagners gesprochen, als auch schließlich gegen sie, zusammen mit
einem andern Vorstandsmitglied, abgestimmt. Die übrigen Vor—
standsmitglieder stimmten mit „ja“, erklärten aber ausdrücklich, daß
für sie nur die wissenschaftliche Bedeutung Wagners in Betracht
käme, und daß die Selbständigkeit des Vereins nicht zulasse, bei
der Auswahl eines Redners überhaupt die Frage zu stellen, ob er
etwa zufällig ein Freund oder Feind des mit dem Verein nicht in
Beziehungen stehenden Herrn von Stumm sei. Vor der Vorstands—
sitzung, in welcher die Abstimmung erfolgte, war, um die Stimmung
im Verein kennen zu lernen, bei verschiedenen Mitgliedern, unter
andern auch durch ein Vorstandsmitglied bei dem in allen Kreisen
sehr geachteten Herrn Kommerzienrat Haldy in St. Johann, der
Mitglied des Vereines ist, gefragt worden, ob er es auch für rat—
sam halte, Professor Wagner zu einem wissenschaftlichen Vortrag
einzuladen. Herr Haldy erwiderte, das könne ohne Bedenken ge—
schehen. Aus dieser Antwort durfte wohl gefolgert werden, daß
derjenige Kreis, der sich später auf die Seite des Freiherrn von
Stumm. gestellt hat, keine allgemeine Opposition gegen Wagners
Einladung erheben würde. Professor Wagner wurde nun vor dem
Vortrag durch den Vorsitzenden ausdrücklich über den Charakter des
Vereins aufgeklärt, er wurde ersucht, weder den Freiherrn von
Stumm anzugreifen, noch überhaupt seinen Namen zu nennen;
ebenso wurde er gebeten, mit Rücksicht auf den unpolitischen
Charakter des Vereins auch nicht die nationalliberale Partei anzu—
greifen. Und um schließlich auch in der Oeffentlichkeit jeder Miß—
deutung zuvorzukommen, gab der Vorsitzende unmittelbar vor dem
Vortrag noch folgende Erklärung ab, die am 8. April wörtlich in
der „Saarbr. Zig.“ veröffentlicht wurde:
„Der Verein hat keinen bestimmten politischen oder religiösen Charakter.
In ihm sind verschiedene Parteien vertreten, und wir freuen uns wohl alle,
daß dem so ist, daß der Verein einen gemeinsamen Boden abgiebt für die
verschiedensten Richtungen in politischer oder religiöser Hinsicht. Der Vor—
stand fragt auch bei der Auswahl der Redner nicht danach, welcher Partei—
stellung oder Konfession ein Redner angehört, er hat nur darauf zu achten,
            
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