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Persönliches.
beliebt, oder war das nicht vielmehr ein ordnungsmäßig voll—
zogener Akt berechtigter sittlicher Notwehr? Wir können dem unbe—
fangenen Leser das Urteil darüber ruhig und getrost überlassen.
Die weitere Beschuldigung, daß das „Evangelische Wochen—
blatt zugunsten derchristlich-sozialen Agitation Stellung
genommen habe, muß die Redaktion als grundlos und ungerecht
zurückweisen, sofern der Urheber dieser Anklage den Nachdruck auf
das unschöne Wort „Agitation“ gelegt wissen will, sie hält diese
Aussage aber für ehrenvoll und rühmlich, wenn damit eine
freundlichzustimmende Stellungnahme zu den besonnenen christlich—
(genauer evangelisch-) sozialen Bestrebungen unserer Tage gekennzeichnet
sein soll. Wir haben und vertreten die Ueberzeugung, daß das
Evangelium nicht nur eine seelenrettende, sondern auch eine
welterneuernde Kraft hat und als ein Sauerteig mit seiner
Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe alle Lebensverhältnisse durch—
dringen und erneuern, sowie daß die Kirche als Botin des
Herrn das Gewissen der Völker auch für ihr wirt—
schaftliches und gesellschaftliches Leben sein und immer
mehr werden soll. Darum treten wir für die Forderung ein, daß
die Grundsätze des Evangeliums auch auf die Arbeitsverhältnisse,
die gesamte Erwerbs- und Gesellschaftsordnung praktisch und kon—
sequent angewandt werden, ohne uns freilich zur Einmischung in
das „Wie“ der technischen Ausführung für berechtigt und befähigt
zu halten. Wir Geistliche können uns das Recht nicht nehmen,
noch verschränken lasfen, auch die bürgerlichen und sozialen Ver—
hältnisse in Gemeinde und Volk darauf zu prüfen, ob sie dem
christlichen Geist entsprechen oder nicht und im letzteren Falle auf
Aenderung und Besserung nach christlichen Grundsätzen zu dringen.
Daß das mit Takt, Besonnenheit und Mäßigung geschehe, ist eine
Forderung und Pflicht ebenso unseres Amtes wie unseres Gewissens.
In diesem Sinne sind und bleiben wir christlich-sozial,
lehnen aber die Zugehörigkeit zu irgend einer sozialpolitischen Partei
ab. Wem diese Anschauung und Stellungnahme nicht gefällt, der
möge unser Blatt ungelesen lassen, uns aber auch mit ungerechten
Vorwürfen verschonen. Für freundliche Beratung, ja selbst Zu—
rechtweisung dagegen werden wir stets dankbar sein. Auf dem be—
zeichneten Wege werden wir bei aller Ungunst der Zeit unbeirrt
weitergehen in der gewissen und beruhigenden Ueberzeugung, daß wir da⸗