Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

Persönliches

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erfüllt war. Wir lassen endlich gern gelten, daß ihn die in der
bergmännischen Bevölkerung eingerissenen Wirren in eine gereizte
und sorgenvolle Stimmung versetzt hatten. Aber all diese Mil—
derungsgründe können doch sein Vorgehen nicht entschuldigen, noch
viel weniger rechtfertigen. Denn was that nun Freiherr von Stumm?
Anstatt dem verantwortlichen Redakteur, welcher bis zum Jahre
1888 sechszehn Jahre lang Pfarrer in Neunkirchen gewesen war
und immer in den freundlichsten Beziehungen zu ihm gestanden
hatte, feine Bedenken und Ausstellungen, die zweifellos die wohl—
wollendste Aufnahme und Beachtung gefunden hätten, zu unter—
breiten, schrieb er in der ersten Erregung an den am wenigsten
schuldigen, aber von ihm geschäftlich abhängigen Drucker des
Blattes, welcher nicht einmal Verleger desselben ist, einen gehar—
nischten Brief, und gab ihm unter Erhebung der Anklage gegen
den Artikel auf Staatsgefährlichkeit und mit besonderer Be—
fehdung des Wortes „Gleichberechtigung“ (ein Ausdruck, der in
demselben Sinn bekanntlich in den bald darauf erfolgenden sozialen
Februar-Erlassen Sr. Majestät des Kaisers Aufnahme und Anwen—
dung gefunden hat) zur ernstlichsten Ueberlegung anheim, ob er
als Verleger des „Amtlichen Kreisblattes“ den Druck des „Evan—
gelischen Wochenblattes noch ferner besorgen könne. Gleichzeitig
verbot Freiherr von Stumm die weitere Verteilung des
„Evangelischen Wochenblattes“ in seinen Wohlfahrtsanstalten,
 so daß die Diakonissen ahnungslos und bestürzt fragten?
was denn eigentlich Schlimmes geschehen sei? Und auch die „Herren
vom Evangelischen Wochenblatt“ mußten verwundert ausrufen:
Wie ist's nur möglich! Quel bruit pour une omelétte!
Eine zwischen dem Verfasser des schwerverklagten Artikels,
Herrn Pfarrer Lentze, und dem Freiherrn eingeleitete kurze Korre—
spondenz führte bald wieder eine einstweilige Verständigung herbei,
worauf der letztere die Blattsperre gnädig wieder aufhob. Uns
aber hatte sich die alte Erfahrung erneut, daß das, System der Gewalt“
bei abhängigen und untergebenen Leuten wohl mit Erfolg ange—
wandt werden mag, aber bei freien, mündigen und unabhängigen
Männern nicht nur versagt, sondern notwendig Widerspruch und
Widerstreit hervorruft und das gegenseitige Vertrauen zerstört.
Welche bedauerlichen persönlichen Folgen diese herrische, rücksichtslose
Art des Vorgehens des Freiherrn für den Verfasser des Artikels
            
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