Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

52

Persönliches.

ins Auge gefaßt seien; letztlich sei für ihn das Interesse des Stiftes
maßgebend. Irgend welche Aufklärung oder irgend ein Anerbieten
wurde ihm darauf nicht gemacht und die Herren empfahlen sich,
den Eindruck bei dem Superintendenten zurücklassend, daß dem Stifte
keine Vertretung im Kreistage und ihm selbst die Rolle zugedacht sei, im
Interesse der Partei Stumm seine Stimme abgeben zu dürfen. Von
der andern Seite wurde als selbstverständlich angenommen, daß wie der
Fiskus, so auch das Stift in dem Kreistag einen Vertreter haben solle.
An den Vorversammlungen für die Wahl hat sich der Superintendent
weder bei der einen noch bei der anderen Partei beteiligt. Am
Tage der Wahl machte er die für ihn persönlich nicht ange—
nehme Wahrnehmung, daß sein Name dem Herrn Rudolf
Böcking, Schwager des Herrn Stumm, im ersten Wahlgange gegen—
übergestellt war. Aber daran ließ sich nichts mehr ändern. Herr
Stumm begrüßte den Superintendenten bei seinem Eintritt in den
Sitzungssaal des Kreishauses, wo die Wahl stattfand, noch freund—
lich wie fonst und reichte ihm die Hand. Der erste Wahlgang war
die Kraftprobe für die Parteien. Auf den Superintendenten fielen
13, auf Herrn Böcking 11 Stimmen. So ging die Wahl fort.
Dreimal hatten beide Kandidaten die gleiche Stimmenzahl. Drei—
mal entschied das Loos für die Gegenpartei des Herrn Stumm.
Von seiner ganzen Liste wurde er allein gewählt. Auch bei den
Wahlen der Vertreter der Gemeinden war die Partei Stumm nicht
durchgedrungen. Bei der Wahl der Großgrundbesitzer hatte man
sicher auf vollständigen Sieg gerechnet. Welche Anstrengungen
waren gemacht worden und nun dies Ergebnis! Vor der Wahl
der Großgrundbesitzer war eine Vermittelung verfucht worden, aber
es erfolgte die höhnende Antwort: „Wir haben die Majorität und
stimmen fie nieder!“ Auf den Einwand, daß das Ergebnis doch
von mancherlei Zufälligkeiten abhänge, man daher nicht mit abso—
luter Sicherheit auf den Sieg rechnen und daß dann die Nieder—
lage eine überwältigende sein könne, hieß es: „C'est la guerre!“
Das Unerwartete war eingetreten und da Herr Stumm nicht als
Feldherr ohne Heer in den Kreistag eintreten wollte, lehnte er die
Wahl ab. Ueber die Beweggründe für diesen Schritt war damals
niemand im Zweifel. Von der Stunde an war zwischen Herrn
Stumm und dem Superintendenten das Tafeltuch zerschnitten, den
er fortan „auf seiten einer Koalition sah, der sich alle destruktiven
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.