Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

34 Zur Begründung unserer Erklärung vom 28. Februar.

reineren Vaterlandsliebe und Königstreue, als die von uns allezeit
bewiesene.

Bemerkung: Die Rede des Freiherrn von Stumm bewegt sich
auf derselben Linie. Während er uns in der heftigsten Weise bekämpft,
bleibt die katholisch-soziale Thätigkeit unbehelligt. Sie wird nicht einmal
erwähnt.

Es zeigt sich auch hier wieder, daß man in diesem Kreise
alles als reine Machtfrage zu behandeln geneigt ist und daß man
vor der wohlorganisierten Macht des Ultramontanismus die Segel
streicht, während man das ganze Gewicht seines Ansehens und seiner
Macht gegen uns in Bewegung setzt. Die hierinliegende Verkennung
der idealen Mächte des evangelischen Christentums gegenüber
der politischen Machtstellung des Ultramontanismus kann nur aufs
tiefste beklagt werden. Es liegt aber auch hierin eine Bestätigung
für die vom Herrn Kollegen Lentze hervorgehobene weitverbreitete
Irreligiosität der liberalgesinnten Kreise der Großindustriellen und
der ihnen nahestehenden Kreise im Saargebiete. Wenn wirklich ein
Grund zu der Befürchtung vorliegt, daß die Arbeitervereinigungen
sich über die Köpfe der Leiter hinweg zur Sozialdemokratie wenden
könnten, so ist ohne Frage diese Gefahr bei den ultramontanen
Vereinen größer als bei den unsern. Eine 1893 aufge—
stellte Statistik über die Beteiligung der Mitglieder
unserer Vereine an dem Streik hat ergeben, daß die—
selben nur in ganz geringer Zahl mitgestreikt haben.
Wir dürfen wohl auch behaupten, daß wir gerade die solidesten
und zuverlässigsten evangelischen Elemente in unseren Vereinen ge—
sammelt haben, gegen deren Königstreue und gute Gesinnung kein
gerechter Vorwurf erhoben werden kann, und die mit Bewußtsein
und aus Ueberzeugung die sozialdemokratischen Lehren ablehnen.
Von hier aus fällt noch einmal ein helles Licht auf die Vorgänge
der letzten Wochen und auf unsere Erklärung. Auch unter dem
konfessionellen Gesichtspunkt war es für uns dringend geboten, mit
einer solchen hervorzutreten und die evangelisch-soziale Thätigkeit
gegen die Verunglimpfungen der „Neuen Saarbrücker Zeitung“ in
Schutz zu nehmen. Daß angesichts der vorstehend mitge—
teilten Thatsachen unserer Erklärung die denkbar
maßvollste Form gegeben wurde, dürfte nicht zu be—
streiten sein.
            
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