Zur Begründung unserer Erklärung vom 28. Februar. 31
Es bedarf wohl keines weiteren Beweises für die vorsichtige
und in jeder Weise lohale Haltung unserer Vereine. Trotzdem
und trotz zeitweiliger Kompromisse stieg das Mißtrauen gegen die
Vereine, die man nicht kannte, verschärften sich die Angriffe auf
die Christlich-Sozialen, setzte sich die völlig unbegründete Idee fest,
daß es sich im Saargebiet um eine planmäßige, politische, christlich—
soziale Agitation und um den Anfang einer Parteibildung handele.
Das alles führte zu den im ersten Teile dieses Berichtes geschilderten
Angriffen auf die soziale Thätigkeit der Geistlichen, der Gründung
der neuen Zeitung mit ihren maßlosen Artikeln einerseits, und der
notgedrungenen Abwehr des Herrn Superintendenten und unserer
Erklärung andererseits. Die Erklärung haben auch solche Kollegen
unterzeichnet, welche sich bei der geschilderten sozialen Thätigkeit nicht
beteiligt haben. Sie thaten es in dem Gefühl der Empörung über
das ihren sozial arbeitenden Kollegen angethaue Unrecht und in der
Ueberzeugung, daß diese gewissenhaft, treu und besonnen ihre Arbeit
gethan und zu den gedachten Angriffen keinen gerechten Anlaß gegeben
haben. Sie glaubten zum mindesten verlangen zu sollen, daß man
nur mit „Waffen der Gerechtigkeit und Wahrheit“ sie bekämpfe.
Bemerkung: Nach diesen Darlegungen dürjen wir wohl auf den
Nachweis int Einzelnen verzichten, daß Freiherr von Stumm unsere soziale
Thätigkeit falsch beurteilt und dieselbe nicht genügend kennt, um in so ver—
hängnisvoller Weise und unter Hereinziehung der Person Seiner Majestät
gegen uns zu Felde zu ziehen. Er muß von seinen Gewährsmännern über
unsere Thätigkeit, die er nicht aus eigener Anschauung kennt, völlig falsch
unterrichtet sein, sonst könnte er nicht so heftig uns angreifen und so hart—
näckig auf seiner irrigen Auffassung beharren.
Mein Bericht wäre unvollständig und einseitig, wollte ich die
konfessionelle Seite der Sache mit Stillschweigen übergehen.
Die schwerste Gefahr droht unserem kirchlichen Leben im Saargebiete
sowie dem bisherigen politischen Bestande der hiesigen Kartellparteien
nicht von sozialdemokratischer, sondern von ultramontaner Seite.
Seit Jahrzehnten macht der Ultramontanismus die größten An—
strengungen, die beherrschende Macht in dem urprotestantischen
Saargebiete zu werden. Er kann dabei auf nicht unbedeutende
Erfolge zurückblicken, wie sie sich neuerdings in der Erbauung eines