26 Zur Begründung unserer Erklärung vom 28. Februar.
worden war, daß große Mißstände in den Verhältnissen der Gruben—
arbeiter eingerissen seien, wurde ein von Herrn Kollegen Fauth
verfaßter Artikel aus dem Jahre 1887: „Ein Notschrei aus der
Tiefe“ noch einmal im letzten Augenblick zurückgehalten. Die Folge
war, daß die Ultramontanen sich der Leitung der immer mehr in
Gährung geratenden Bergarbeiter bemächtigten. Der erste Streik
trat Anfang 1889 unter Führung des Kaplans Dasbach und seiner
Blätter („„It. Johanner Volkszeitung“, „Trierer Landeszeitung“,
„Paulinusblatt“) und unter vielfacher Mitwirkung des katholischen
Klerus ins Leben und legte den unzweideutigen Beweis für den
beherrschenden Einfluß des Ultramontanismus auf die Arbeiter—
kreise ab.
Als dann in derselben Zeit die kaiserlichen Er—
lasse erschienen und der kaiserliche Ruf zur Mitarbeit
der Kirche erschallte, als det Oberkirchenrat gleicherweise
in begeisternden Worten zur sozialen Arbeit aufrief, als
ferner im weiteren Verlaufe der Streikbewegung die
Leitung den Händen der Ultramontanen entglitt und die
Gefahr täglich wuchs, daß die Sozialdemokratie das Erbe
derselben antreten werde, als die sozialdemokratische
Parteileitung ihr Auge auf das Saargebiet richtete und
ein Liebknecht von den Bergleuten als „Genosse“ zu einer
Versammlung berufen werden konnte, als infolgedessen
Anzeichen der Entkirchlichung und wachsender mißtrauischer
Entfremdung der Arbeiter gegenüber den evangelischen
Geistlichen immer bedenklicher hervortraten — da trat
eine große Zahl von uns in die foziale Arbeit ein durch
Gründung von evangelischen Arbeitervereinen. Wir thaten
es voll Begeisterung für den an uns ergangenen edlen kaiserlichen
Ruf, im Gehorsam gegen den oberkirchenrätlichen Erlaß, in ernster
Sorge um die Zukunft unserer Gemeinden und der evangelischen
Kirche des Saargebietes. Wir thaten es zunächst, um den kirchlich
gesinnten Elementen unter den Arbeitern durch Zufammenschluß
einen Rückhalt und eine Ermutigung zuteil werden zu lassen gegenüber
den Streikenden und deren gefährlichen Einflüssen zugänglichen
Kameraden. Wir wollten persönlich engere Fühlung mit ihnen
gewinnen, fie in ihrem christlichen und königstrenen Empfinden
stärken. Wir wollten sie ferner gewinnen für ein friedliches und