Full text : Freiherr von Stumm-Halberg und die evangelischen Geistlichen im Saargebiet

Zur Begründung unserer Erklärung vom 28. Februar. 21

Blatt, welches auf dem Boden der Mittelparteien steht, etwas thut, was
den Herren nicht ganz konveniert und da sind sie dann in dieser
ganz außerordentlichen, ungewöhnlichen Weise dagegen aufgetreten.“ Gegen—
über den gekennzeichneten Angriffen sind die Worte „nicht ganz konveniert“
denn doch kaum zu begreifen.
Schwerwiegender jedoch als die Rücksicht auf unsere persönliche
Ehre und amtliche Würde erschien uns die Thatsache, daß für das
Bewußtsein unserer Bevölkerung und unserer Gemeinden das
Wort: christlich-sozial vor allem in dem Sinne der von uns in den
evangelischen Arbeitervereinen geübten Thätigkeit gebraucht und ver—
standen wird. Eine andere christlich-soziale Thätigkeit kennt die
Bevölkerung des Saargebietes im Allgemeinen überhaupt nicht;
die Leiter und Mitglieder der evangelischen Arbeitervereine sind
ihr einfach die Christlich-Sozialen im Saargebiete. Daher haben
unsere Gemeinden vielfach auf das Bestimmteste eine Erklärung
erwartet, welche die Entstellungen der „Neuen Saarbrücker Ztg.“
als unbegründet zurückwies. Endlich forderte die Rücksicht auf die
Mitglieder der evangelischen Arbeitervereine aus dem
Arbeiterstande gebieterisch eine Erklärung. Es haben sich seit sechs
Jahren über 2000 Arbeiter unserer Führung angeschlossen in dem
Bewußtsein, daß sie entsprechend dem Wahlspruch der evangelischen
Arbeitervereine auf diese Weise in den sozialen Wirren den Weg,
welchen Gottesfurcht, Königstreue und Bruderliebe vorschreiben,
nicht verfehlen würden. Darum haben die Angriffe der „Neuen
Saarbrücker Zeitung“ (Generalanzeiger) eine schwere Beunruhigung
und eine ernste Verwirrung der Gewissen gerade dieser Kreise her—
vorgerufen. Es sind uns Aeußerungen dieser Gewissensbedenken
auch seelsorgerisch nahe getreten, welche uns eine Erklärung zur
Gewissenspflicht machen mußten.
Bemerkung: In der Neunkircher Rede heißt es: „Ich meine,
gerade Geistliche sollten sehr vorsichtig sein, das Gewissen in eine politische
Machtfrage hineinzubringen. — Ich meine, man solle doch vorsichtig
sein, mit dem „Gewissen“ in der Weise zu operieren, wo es sich um einen
äußeren Kampf handelt.“ Nach dem Gesagten können uns diese Sätze
gar nicht treffen. Um eine „politische Machtfrage“ handelte es sich nicht,
sondern um kirchlich-religiöse und seelsorgerische Fragen.
Ich erinnere hier besonders daran, daß wir den nahe—
liegenden Weg einer Kundgebung der Arbeitervereine mit vollem
Bedacht vermieden haben. Es wäre ein Leichtes gewesen, einen
Sturm der Entrüstung gerade in diesen Kreisen zu entfesseln. Wir
            
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