Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

binnen 24 Stunden die Provinz zu verlassen. Die Gefangen—
nahme und Ausweisung geschah auf den Bericht des katholischen
Pfarrers Thilmanni zu St. Johann; beide Pfarrer
hatten sich öffentlich in der Kirche gestritten. Die Bitte der
Bürgerschaft von St. Johann, er möge ihnen erlauben, einen
andern Pfarrer zu wählen, schlug der Intendant ab und verwies
sie an Thilmanni als den bestellten Pfarrer.) Der Intendant
befahl nun der Ortsobrigkeit, die Gemeinde in St. Johann zum
katholischen Gottesdienst anzuhalten; doch hatte er damit wenig
Erfolg, da die Evangelischen in St. Johann vorzogen, die Kirche
in Saarbrücken zu befuchen, die bei der geringen Anzahl der dortigen
Bürgerschaft hinreichend war, um beide Gemeinden aufzunehmen.
Die St. Johannis-Kirche war mittlerweile ganz von den
Katholiken in Besitz genommen, und am zweiten Pfingsttage wurde
die erste feierliche Messe in der nunmehr ganz katholischen Kirche
gehalten. Die Gräfin Eleonore Klara reiste zwar am 22. Juli
nach Paris, um die Rückgabe der Kirche zu erbitten, aber sie kam
am 14. September unverrichteter Sache zurück. Am 2. Juli war
der Altar abgebrochen und ein anderer aufgeführt worden, der am
23. August durch den Bischof von Metz eingeweiht wurde. Der
Intendant hatte bei dieser Gelegenheit befohlen, daß Meier und
Gericht zu Saarbrücken der Predigt des Bischofs beiwohnen sollten;
und als sie sich nicht eingefunden hatten, wurde jeder der Gerichts⸗
leute zu einer Strafe von 10 Livres verurteilt, der Meier Jakob
Senner aber mit zehntägigem Gefängnis belegt und endlich seines
Amtes entsetzt. An dessen Stelle wurde auf Befehl des Intendanten
der Heimmeier Hans Philipp Schrapp zum Meier ernannt, der
am 6. September durch den Stadt- und Landschultheißen Frangçois
der Bürgerschaft auf der Gerichtsstube (Baillago) zu St. Johann
als verordneter Meier vorgestellt wurde.
Damit waren jedoch die Mittel der französischen Regierung
noch nicht erschöpft. Diejenigen Lutheraner, die früher katholisch

1) Er wurde später als Pfarrer nach Heidelberg berufen, wo er noch
im Jahre 1709 als Pfarrer und Konsistorialrat stand.
            
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