Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

erwählt wurde. Das Stadtiprotokoll sagt bei dieser Gelegenheit:
„Weilen, Gott erbarms, die Burgerschaft in Saarbrücken sich sehr
gemindert und durch den Brand ihrer häuslichen Wohnungen
beraubt worden, daß Einer hierin, der Andere dorthin sich retiriret,
so ist bei so gestalteten Zeiten kein Zugeber noch Heinmaier in
der Stadt Saarbrücken gezogen worden.“
Infolge des Rückzugs des kaiserlichen Heeres gewannen die
Franzosen wieder die Oberhand im Westrich. Den Zeitpunkt, in
welchem sie sich abermals der Städte bemächtigt haben, vermögen
wir nicht genau zu bestimmen; doch finden wir am 21. Juni 1678
wieder eine französische Garnison in Saarbrücken und zugleich den
Herrn de la Goupillière als Kriegskommissarius sein heilloses
Wesen treibend.
Obgleich seit dem Brande manche der zerstörten Häuser wieder
hergestellt worden waren, auch sich einige Bürger wieder einge—
funden hatten, so war doch Saarbrücken noch so schwach an
Einwohnern und Mitteln, daßz Gräfin Eleonora Klara,i) um
Mißhelligkeiten zwischen beiden Städten zu verhüten, am
3./13. Oktober 1678 dem Gericht zu St. Johann bemerken ließ,
daß Saarbrücken nur ein Sechsteil von allen Kriegslieferungen
und außergewöhnlichen Umlagen zu tragen habe.
Die Stadtprotokolle aus diesen und den folgenden Jahren
enthalten viele gerichtliche Abschätzungen von verbrannten Hofstätten,
die von andern in Besitz genommen und wieder bebaut wurden.
Der Meier und die sechs Schöffen schätzten jeder besonders die
Baustelle und dann wurde aus den Schätzungszahlen das arithmetische
Mittel gezogen. Die Häuser wurden auf den alten Fundamenten
wieder aufgeführt, auch die Bauart beibehalten: nur der Sockel

1) Ihr Gemahl, Graf Gustav Adolf, war am 7. Oltober 1677 in einem
Gefecht gegen die Franzosen bei Kochersberg tödlich verwundet worden. Seine
einbalsamierte Leiche ist in der Thomaskirche zu Straßburg zu sehen; in der
Schloßkirche zu Saarbrücken hat ihm und seiner Gemahlin ihr Sohn, der Graf
Ludwig Kraft, ein prächtiges Grabmal errichten lassen.
            
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