Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

7

zugewandert sein müssen, z. B. Korn aus Brandenburg, Haldy
aus der Schweiz, Sehmer aus Baden u. a. Der Wohlstand hob
sich langsam wieder, da einige gute Jahre reiche Ernte brachten
und der Holzreichtum der Wälder bei holländischen Händlern
guten Absatz fand.
Dieser Friedenszustand war leider nicht von langer Dauer;
denn schon 1672 brach infolge der Ländergier Ludwigs XIV.
ein neuer Krieg aus, der für Land und Städte verhängnisvoll wurde.
Bereits im Herbst 1672 hatten Durchmärsche und Ein—
quatierungen französischer Truppen stattgefunden, doch fanden
zunächst keine Feindseligkeiten statt. Gegen den Ausgang des
Jahres 1673 aber erschien ein französischer Proviantkommissarius
in Saarbrücken, um zur Verpflegung der Turenne'schen Armee,
welche an der Saar ihre Winterquartiere beziehen sollte, Vorräte
an Frucht und Mehl aufzukaufen, und bald langten Abteilungen
dieser Truppen hier an, welche sogleich die Stadttore besetzten.
Unmittelbar hierauf wurde der gräfliche Hofmeister Joh. Karl
von Rüdesheim verhaftet und am 5. Dez. nach Nanzig abgeführt. Am
Abend des 11. Dezember erlitt Graf Adolf dasselbe Schicksal,
weil er sich weigerte, von dem Kaiser sich loszusagen und sich an
den König von Frankreich anzuschließen. Er sagte, er wolle
lieber nur mit einem Stecken davongehen, als seinem Kaiser die
Treue brechen. Darauf wurde er auf Befehl des Marquis von
Rochefort gefänglich auf das Rathaus gebracht und am andern
Tage durch eine Schwadron Dragoner nach Metz abgeführt.
Von jetzt an fand unablässiger Truppendurchmarsch von der
Turenne'schen Armee und den Kölnischen Truppen statt, die unter
General Renel vom 25. bis zum 28. Dezember durch Saarbrücken
zogen. Die ständige Besatzung betrug 7 Kompagnien zu Fuß
und 2 zu Pferd. Die Einquartierungslast war so drückend, daß
die Bürger beider Städte den Grafen um Abhilfe baten, aber
dieser war dazu außer stande, da er selbst mittellos in der
Gefangenschaft lebte. Da den städtischen Behörden bald die
Mittel zur Verpflegung der Garnison fehlten, so wurden nach
eingeholier Erlaubnis der Gräfin Eleonora Klara die vorrätigen
Hospitalgefälle dazu verwendet.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.