7
wird erzählt, daß niemand mehr in die Kirche gegangen und der
Gottesdienst im Freien gehalten worden sei. Die Kranken wurden
zum Teil ins Lazarett nach Aschbach gebracht, von wo die Halb—
genesenen sich in den Koden im Tiefenthal begaben und sich dort
Hütten erbauten. Im folgenden Jahre starben in St. Johann
nur 80, woraus die Abnahme der Seuiche ersichtlich ist.
Inzwischen war auf dem Kriegsschauplatze durch die Niederlage
der Schweden bei Nördlingen (6. September 1634) ein Umschwung
eingetreten. Herzog Bernhard von Weimar konnte sich nur bis
zum Sommer 1635 in seiner Stellung am Rhein behaupten.
Der Übermacht der kaiserlichen Truppen weichend, welche unter
Gallas am 31. Juni 1635 den Rhein bei Worms überschritten,
zog er sich nach Saarbrücken zurück, wo er vom 20. Juni bis
zum 10. Juli verweilte. Hier in unsern Mauern rief der
bedrängte junge Kriegsheld die Hilfe des Königs von Frankreich
an, die nur zögernd gewährt wurde. Sengend und brennend
hatten sich die bluts und beutegierigen Kroaten, Spanier und die
übrigen Kriegshorden des Gallasschen Heeres über die ganze
Pfalz verbreitet. Kaiserslautern wurde am 7./17. Juli mit Sturm
genommen, die schwedische Besatzung niedergehauen und die Stadt
geplündert; Kusel wurde überrumpelt und verbrannt, endlich
Zweibrücken hart bedrängt, doch von den Schweden tapfer verteidigt;
jede Stunde konnten die Kaiserlichen vor Saarbrücken erscheinen.
In dieser gefährlichen Lage flüchtete Graf Wilhelm Ludwig
am 15. Juli mit seiner Familie nach Metz, wohin ihm seine
Beamten und ein Teil der Bürgerschaft beider Städte mit ihren
Habseligkeiten nachfolgten; aus St. Johann allein 40 Haushaltungen.
Unter den Geflüchteten befand sich auch der seit 1635 bestellte
Superintendent Abraham Staimlin. Die Verwaltung des Landes
übernahm der Oberamtmann von Piesport. Die Pfarrer Schlosser
und Rüdinger blieben als treue Seelsorger bei ihren Gemeinden;
von den Lehrern des Gymnasiums war nur einer übrig geblieben.
Die Franzosen hatten unterdessen ein neues Armeekorps von
20,000 Mann zusammengebracht, welches sich unter dem Befehl
des Kardinals La Valette am 27. Juli 1635 mit den Truppen
des Herzogs Bernhard bei Merlenbach vereinigte. Sie ließen in