Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

wurde.“ Auch der Flurname Hexenberg bei Saarbrücken deutet
auf die Erinnerung an solche Vorgänge hin.
Der Krieg hatte inzwischen durch die Ankunft Gustav Adolfs
von Schweden im Jahre 1630 und durch die Schlacht bei Leipzig
(17. September 1631) für die Protestanten eine vorteilhaftere
Wendung genommen; die Schweden besetzten das linke Rheinufer
und zeigten sich bereits Ende d. J. 1631 in Zweibrücken. Um
diese Zeit fielen französische Truppen infolge der Streitigkeiten
zwischen Ludwig XIII. und Herzog Karl IV. von Lothringen
in die Länder des letzteren ein und streiften bis in unsere Gegend.
Infolge dieser Kriegsunruhen blieb die Salzzufuhr aus Lothringen
aus. „Am 28. Februar 1632,“ sagt Rektor Schröter in seinem
Kalender, „ist des Königs von Frankreich Volk eingefallen zu
St. Arnual und hat großen Schaden gethan.“ Diese Truppen
hielten sich geraume Zeit im Westrich, denn noch unterm 25. Mai
d. J. wird erwähnt, daß die Franzosen in der Nähe von Zwei—
brücken standen.
Mit beiden fremden Mächten war Graf Wilhelm Ludwig
bereits in freundschaftliche Verbindung getreten. Franzosen und
Schweden vertrieben nun die spanischen und kaiserlichen Truppen
vom linken Rheinufer; im August 1633 lag eine schwedische
Besatzung in Saarbrücken, welche der schwedische General,
Rheingraf Otto Ludwig, bei seinem Zuge nach dem Elsaß verstärkte.
Das Jahr 1634 ging unter dem Schutz der Schweden
einigermaßzen ruhig vorüber. Inzwischen hatte sich aber wieder
ein anderer Feind, die Pest, eingeschlichen, welche dieses Mal mehr
Opfer als früher forderte. Von Saarbrücken erfahren wir nur
im allgemeinen, daßz die Seuche viele Menschen weggerafft hatte,
da der Pfarrer Schlosser die Todesfälle im Kirchenbuche nicht
aufgezeichnet hat. Die Gefahr war so groß, daß der Hof—
meister von Helmstatt die gräflichen Kinder im Mai nach Ottweiler
bringen liefz; Meister Balthasar, der Barbier, mußte sie begleiten
und Dr. Weber aus der Schloßapotheke das Nötige verordnen.
Pfarrer Rüdinger in St. Johann notierte von der zweiten Hälfte
des Jahres im Kirchenbuche 172 Sterbefälle und nur 10 Geburten.
Die Krankheit trat also in St. Johann besonders stark auf; es
            
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