Full text : Geschichte der evangelischen Gemeinde St. Johann zu Saarbrücken zur 200 jährigen Erinnerungs-Feier der am 24. Juni 1727 erfolgten Einweihung der alten Kirche

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Durch diese Prediger wurde die Messe abgeschafft und der
Gottesdienst nach dem protestantischen Ritus umgestaltet. Der Graf,
gealtert und, wie es scheint, religiös ziemlich gleichgültig, liefz es um
so mehr geschehen, als seine Erben die protestantischen Grafen Albrecht
und Philipp von Weilburg waren. Ein Zeugnis dafür, in welcher
Weise der Gottesdienst abgehalten wurde, besitzen wir in einer
Verordnung, die Graf Johann aus Anlaß einer ansteckenden
Krankheit am 28. Juli 1574 ergehen liefz. Es wurde damals
verordnet, „daß in allen Städien, Flecken, auch Dörfern, wo die
böse Luft eingerissen oder regieren werde, bis auf Abstellung alle
Kirchendiener, die uff ihrer Pfarre sitzen und wohnen, neben den
Sonn⸗- und Feiertagspredigten und Kinderlehre hinfüro in der
Wochen nur eine Predigt uff Mittwochen und anstatt der Freitags⸗
predigten alle Werktage in der Woche, des Morgens um fünf
und des Abends um sieben Uhren, ihr Früh- und Abendgebet
neben kurzer Ermahnung oder Auslegung eines Psalmen aus den
Propheten, David usw. halten und ein Zeichen läuten lassen, damit
jeder Bürger und sein Hausgesind sie besuchen möge. Und welche
Pfarrherrn nit bei ihren Kirchen sitzen, die sollen uff ihren Pfarren
(Filialen) alle Woch einen Bettag verkünden und halten und die
Untertanen fleißig ermahnen. Und damit in diesen Geschwind⸗
krankheiten die Buße nit bis uff die letzte Stunde verspart, die
Pfarrherrn auch bei der Menge der Kranken nicht allerwegen
dürften erfordert werden, niemand aber des Trostes und Nacht—
mahles entbehren möchte, sollen die Pfarrer alle 14 Tage in der
Kirchen das Nachtmahl des Herrn Jesus verkünden und reichen,
und soll hier in beiden Städten alternative ein Sonntag nach dem
andern geschehen und um der Menge des Volks willen der
Diakonus helfen, damit nit Not sei in Stunde der Gefahr zu
einem jeden zu gehen, es wäre denn, so einer des Pfarrherrn
begehr oder aus Phaniaseien in letzter Stunde berufen würde.“

Also keine Messe und keine Anrufung der Heiligen mehr,
sondern Predigt, Vermahnung und Gebet; keine Olung, sondern
Nachtmahl des Herrn Jesu — das ist der offenkundige evange—
lische Gottesdienst.
            
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