299 —
völlig dem Schulunterrichte überlassen wurde. Die Fürstin Charlotte
Amalie (1728 -1738) verordnete, daß die Eltern, wenn sie die
Kinder nicht zur Schule schicken, doch das vierteljährliche Schulgeld
bezahlen sollten, und daß die Kinder nicht zur Konfirmation zuge⸗
lassen werden sollten, wenn sie nicht ordentlich lesen und schreiben
könnten. Fürst Wilhelm Heinrich hielt streng auf regelmäßigen
Schulbesuch. Unter seinem Nachfolger, dem Fürsten Ludwig, wurde
im Jahre 1783 eine neue Schulordnung herausgegeben (abgedruckt
in der Geschichte der Stadt Saarbrücken II S. 367). Der
Unterricht dauerte von 7 —10 Uhr und von 12-3 Uhr. Mittwochs
und Samstags war der Nachmittag frei. Die Schüler waren nach
dem Alter in drei Ordnungen verteilt, die gleichzeitig von einem
Lehrer unterrichtet wurden. Nach dem Bericht des Schulinspektors
und Rektors Belzer bestanden im Jahr 1759 in St. Johann
zwei Schulen, eine Knabenschule mit 77 und eine Mädchenschule
mit 79 Besuchenden. Im Jahr 1765 wurde ein neues Mäãdchen⸗
schulhaus neben der Knabenschule erbaut, das 1243 Gulden kostete.
Die Arbeiten an dem Bau wurden in „Steigung“ vergeben.
Laut Bericht des Pfarrers G. L. Schmidt bestanden in St.
Johann im Jahre 1798 zwei Schulen, nämlich eine mit 102
Knaben und eine mit 90 Mädchen.
Im Jahre 1818 erwarb die Gemeinde als drittes Schulhaus
das Haus des Kaufmanns Christian Friedrich Köllner in der
evangelischen Kirchgasse, das dieser von Katharine Maria Kleber
für 9000 Franken oder 2362 Taler 12 Groschen gekauft hatte.
Da die Stadt nicht die erforderlichen Mittel besaß, entlieh sie mit
Genehmigung der Kgl. Regierung bei verschiedenen Bürgern 8000
Franken. Bei der Verhandlung vor dem Notar Philipp Christian
Karcher war die Gemeinde durch den Beigeordneten Johann
Christian Köhl vertreten.
Im Jahre 1827 befanden sich in St. Johann 378 evangelische
Schulkinder; daher wurden die Klassen auf vier vermehrt und
außerdem ein katholisches Schulhaus für zwei Klassen gebaut.
In den Jahren 1836— 1838 wurde ein neues Schulhaus in den
Stadtgraben (Schillerstrafze) gebaut. Im Jahre 1864 wurde das
Schulhaus am Bismarckplatz eingeweiht, nachdem das alte Schulhaus